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Veränderter Auszug aus dem Theaterstück MONDIN AUS ASCHE

entnommen dem aktuellen Gedichtband Aufbruch/Zeitkritik von

Rafael Bienia

 

 

 

Prolog

Sprecher: Wir schreiben das Jahr 999 im Jahre des Herrn.

Aschaffenburg heißt noch Asgaffa, was Aschenbach bedeutet

Und...

Könnt ihr es riechen?

Könnt ihr es sehen?

Die Bäume niedergebrannt, Hunderte, Tausende, niedergebrannt,

Nun ein Feld von Asche!

Der Bach bedeckt von Asche... ein Aschenbach,

Aschaffenburg wie wird’s heißen bald.

Ein Dorf entsteht, eine Stadt folgt bald,

Die Menschen vermehren sich, doch...

Der Bäume Geister weinen, weinen Tränen,

Kriechen in Pein...schreien nach Rache.

Und endlich, endlich erhebt sich aus dem See die Königin,

Taucht auf, um Rache zu üben an denen, die so schmählich

Die Große Mutter, Gaia, die Natur schändeten mit ihrem Feuer.

Rache!

Schon liegt die Stadt in Asche, schon stehen sich zwei Kreaturen gegenüber.

Der Ewige Hüter der Stadt, und die Königin, die hier währte äonenlang.

 

 

Szene

 

Dariusz: Wie dunkler Schnee fallen Flocken von Asche auf dieses Land.

Hüllen es ein in ein graues Leichentuch,

von dem ich mich nicht mehr befreien kann.

Und jetzt erblicke ich roten Schein von unserer Stadt,

der sich wie Blut mit der Dunkelheit der Nacht vermischt.

Meine geliebte Stadt,

verzeihe mir.

  • Seehexe: Geliebte Stadt?

    Du Narr!

    Sie war dein Untergang!

    Jetzt werde ich meine Rache ausüben.

    Dariusz: Was habe ich je getan?

    Seehexe: Je?

    Vor Jahrhunderten kam deine Sippe hierher!

    Sie brannten meine Heimat nieder.

    Ermordeten meine Töchter.

    Mich hat man verbannt in den tiefsten See.

    Alles hat man mir weggenommen.

    Alles hat man vernichtet.

    Niedergebrannt heilige Haine,

    Niedergebrannt uralte Eichen.

    Verflucht seist du!

    Verflucht seist du, der du auch noch meinen Sohn mir genommen hast.

    Dariusz: Du bist es gewesen, Hexe,

    die dieses Leiden verursacht hat?

    Ich verdamme dich in die äußersten Höllen!

    Er greift sie an, doch er trifft nicht. Seine Hände können nicht auf sie zielen.

    Sie packt ihn und zwingt ihn gegen den Stein.

    Seehexe: Dein Blut soll fließen!

    Verflucht sei jeder Zoll Boden, das du betreten hast.

  • Dariusz zu Boden.

    Seehexe: Nun liegst du hier in deinem eigenen Blut.

    Der einst so weiße Stein hat dein Blut aufgenommen.

    In Ewigkeit wird man Schlieren deines Blutes sehen können.

    Man wird sich an unser Blut erinnern, welches vergossen worden ist.

    Dariusz: Blut, Blut, Blut, Blut!

    Wie verwandelt, Fratze.

    Seehexe: Was sprichst du noch?

    Dariusz: Süß war Eure Rede von dem vielen Blut.

    Und ich?

    Woher soll ich mein Blut bekommen,

    wenn ihr die ganze Grafschaft einäschert?

    Meine Domäne einäschert?

    Welches Recht nehmet Ihr?

    Die Rache?

    Die hat sich in den letzten Jahrhunderten verflüchtigt.

    Eure Töchter gebaren neue Kreaturen.

    Aus ihren toten Leibern stieg neues Leben.

    Dies ist mein Platz.

    Eure Zeit endete vor vielen Jahren.

    Verlaßt diesen Ort und ruft Eure Sklaven zurück.

    Seehexe: Haha! Was für ein Dämon lebt in dem Mann?

    Wie kannst du es wagen, mir zu befehlen?

    Ich bin deine Mutter, wie ich die Mutter von allen Dämonen hier bin!

    Du mußt dich meinem Willen unterwerfen,

    oder ich vernichte dich,

    wie ich diese Stadt vernichten werde.

    Dariusz: Ich warne Euch.

    Verlaßt diesen Ort.

    Kehrt zurück zu Eurem See.

    Niemand wird Eure Ruhe stören.

    Geht!

    Seehexe: Das werde ich nicht.

    Ich befehle dir: Knie nieder, küsse meine Füße und unterwerfe dich mir!

    Dariusz: Niemals!

    Die Stadt habe ich aufgebaut,

    jeden Baum habe ich gefällt,

    jeden Stein habe ich gesetzt.

    Niemand wird mir diese meine Werke streitig machen,

    denn die Eure Welt ist nur der Lehm in meinen Händen.

    Und Euer Blut wird mir munden.

    Sie stürzen sich aufeinander. Ein wilder Kampf entbrennt.

    Plötzlich taucht die volle Mondin auf. Sanftes, silbernes Licht badet die Szenerie. Die Ascheflocken werden zu Kristallen.

    Mondin: Keins meiner Kinder soll sich bekämpfen.

    Dies ist nicht die Ordnung!

    Die beiden umschlungenen Gestalten stürzen in das leere Grab und werden zu Kristall.

    Alle ab.

    Finis

     

     

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