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Kehricht Gesellschaft und Literatur im Netz |
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Erster Einsatz
von Lars Borschein
Mitunter mit untergehen, mit der Sonne untergehen und den Schwarzraum durchlaufen, wieder aufstehen wenn sich das Geheimnis entdunkelt, daß es nichts gibt außer das Vertagen in ein neues Glühen, das dich manchmal versengt, deine Zunge, die Geschmacksknospen darauf und jeden neuen Spruch mürbe macht, bis er krümelt in der Hand eines Defätisten dem es, wie du weißt, noch viel schlechter geht, mit einem Satz vor und zwei zurück.
Zweiter Einsatz
Schwindlig ist mir, das Plappern, das klappernde Plappern mit dem Geschirr und den Lederriemen vor den triefenden Lefzen, wenn Wasser zusammenläuft wie von Wunderhand durch ein Wort ausgeschüttet wie Schappi oder Muschi und Dein Blut wird zu einem feuchten Traum, das dir aus dem Kopf schießt in den Schwanz mit dem plötzlichen Übergewicht von Hormonen, so schwindlig ist mir, ihr Hunde.
Dritter Einsatz
Die automatische Antwort ist, dass es keine gibt, auf eine Frage die sich allgemeingültig öffnet, zu einem Trichter wird, einem umgekehrten, einem Sprachrohr und Megaphon wo sich Schall entkleidet, sich in die schamvollen Gänge schiebt und dort Gehör findet, die Entgegnung schon bereitliegt diese kleine private E-Kutsche, die plötzlich anfährt, zurückfährt sich für eine Antwort hält, aber keine ist, die Standhält außerhalb Deiner selbst.
Vierter Einsatz
Du kannst mich nicht aufhalten, diese Beglückung die meine Lippen spreizt, aus reinem Übermut exzessiv verschwendet an einen Augenblick, der nichts wissen will von seinem Vergehen und sich völlig vergißt; Leben passiert, was denkst du, du denkst - das führt mich nicht weiter, mein Freund so ist es, das Haltlose ist mein Halt, vielleicht nur eine Herzrhythmusstörung, ein Stolpern, oder ein Flimmern was weiß ich doch scheint es mir ewig, ich lache über den physikalischen Hebel deiner Werkzeuge, den wasserdichten Beweis meiner Schuld.
Fünfter Einsatz
Los-sagen, bloß-sagen leibhaftig erscheinen, in einer gierigen Flamme, die aus den Bildschirmen schlägt, auf die Festplatten übergreift, noch ist nichts verloren, sieh die blitzenden Augen, die zitternden Hände am Joystick, wie sie plötzlich versagen, bei meinem zärtlichen Nackenbiß, fühl ich sie schaudern, Oberflächen, die sich verwinden unter einem Flüstern, so sagt es die Sage, die aus dem Schritt kommen, die Herzen, die brennen am längsten.
Sechster Einsatz
Oder dein Hang zum abhängen an den Abhängen einer artifiziellen Natur aus Hartschaum und Plastomeren, dieser seltsame Kunstschoß, der dich austrägt und aushällt mit allen hineingelegten Unwägbarkeiten und Weichheiten, der sich multipel verhält gegen dich, das Echo schluckt, und in Schweigen zurückschlägt, kein Herz, das da leerläuft und dennoch es trägt dich in alle Ewigkeit diese deine einzige große Konvulsion vor dem Herrn.
Siebter Einsatz
Vorbei an den Fenstern sind Rahmen gesprengt deren Zentrum sich spielend verlagert von hier nach überall, Wiesen von Linien von Mosaik aus Licht legen sich auf die Netzhäute der still gewordenen, weiter hinten sind Bilder in Zersetzung begriffen von barbarischem Zugriff, Geräusche des Weltraums aus den Tiefen extrahiert und vom beharrlichen Schweigen der Götzenbilder verstärkt, sie kommen aus Osten, vielleicht der Anfang eines lebendigen Endes, das sich durch die Kabel frißt wie ein Tintenstrahl auf eine Stirn die schon stillhält als wäre das Zeichen ein virtueller Tod dessen Schrecken nicht greift.
Achter Einsatz
Unterwegs in den Seiten, privat und anonym, ich wünsche mir die Menschen nicht näher, sie sind gut wo sie sind, selbst eine wartende Frau, die alles enthielte, schreckt mich mit Physis, die Tragkraft von Silikonhüften übersteigt meine Phantasie, Mutterplatinen hingegen sind ein offener Arm, ein gedeckter Tisch und meine Empfängnis war so rein, daß mich ständig ein Engel treibt, meinen schmutzigen Motten-Leib zu verbrennen in ihrem unbedingten Licht.
Neunter Einsatz
Das war ein Scheißtag kann ich Euch sagen, das Geld habe ich bereits gestern geholt, meine Bank war erstaunlich freigiebig und heute bin ich extra früh aufgestanden, zwei Stunden früher als sonst, war stolz auf mich, eine Kanne Kaffee hat geholfen, aus dem Haus gestürmt, ich wollte der Erste sein, doch schon auf dem Parkplatz die grünmetallig schimmernde Schlange von Autos, ich schon am Schwitzen und Menschen, Menschen sage ich Euch, ich mich durchgeschoben und dann die unvorstellbare Katastrophe ich steh punkt acht im Aldi und die Computer sind schon alle.
Zehnter Einsatz
Gesichter sichten und Flächen lichten durch meine pure Präsenz, wie Moses durch das rote Meer von ultrakurzen Minis mit darunter vorblitzenden Slips, bei jeder Drehung und von den Galerien herunter tief fallen in die sich wölbende V-Form einer polyacrylen schweißtriefenden Überhaut, zusammen allein mit Jim Beam und Johnny Walker saufen bis sich die verdammte Welt dreht, fortdreht, abdreht, komm Johnny! Der Totenkreisel tanzt schon über den Köpfen, und Jim big Jim der Späte, schickt mich in die Jagdgründe, wo ich eingehe, gallentief herumwate im Suff, und der mir Stunden später, wie bin ich nach Hause gekommen, früh morgens aufstößt, wie eine sauergewordene Yogurtkultur, kotzübel ist mir, nach Kotzkübel ist mir, Herrgott übergib mich der oralen Entladung, erbarmen, vollgepumpt mit leckerem Gift bin ich, bleich wie eine Wand auf dem Klo eingenickt, es geht doch nix über eine gute Party.
Elfter Einsatz
Ich kann nicht schlafen, ich höre die Uhren ticken im Schlaf, die Ströme fließen, meine Community rauschen im Netz, jeder geträumte Traum ist ein Elend und Versäumnis, ich lebe den lebendigen Zugriff, lieber bis zum Hals in der Scheiße und jeden Knochen spüren, mit bepißter Hose im Straßengraben liegen und den Himmel in Scherben schreien, weißt Du, ich bin unersättlich, in deinen Augen natürlich kann man ertrinken und ersticken im Netz deiner Haare, und spuckst du mich aus wie einen Kaugummi der seinen Geschmack verloren hat und der nur noch gut ist zum zertreten, auch dann noch, auch dann bin ich erweckt und hänge an Dir und das Wunder der Liebe überfällt mich plötzlich aus einem dunklen Hausflur heraus, wie, sag mir, wie kann ich da schlafen?
Zwölfter Einsatz
Die Sonne schien nahe, heute, näher als sonst, ich hatte mich verstiegen in Gedanken einen Kern Wahrheit zu spalten und wanderte den Lichtstrahl entlang von einem Kreuz ausgehend, das zu einem Automatismus wurde, links und rechts die eingenagelten Hände oben die Stirn in Dornen und so eine vollkommene Belichtung meiner selbst, und dieser Automatismus der wie eine wundschlagende Nockenwelle immer wieder mich streifte wurde nach und nach zu einer solch ungeheueren Taubheit und Milde, die ich mir nur erklären konnte durch die Existenz eines noch größeren Schmerzes jenseits von mir, dem ,so hoffte ich, ein Glück gegenüberstehen müßte, an dem zu verbrennen es sich lohnte.
Dreizehnter Einsatz
Mein neuer Fetisch heißt Geschwindigkeit, komm schon, du verschwendest meine Zeit, ich gebe dir noch drei, noch zwei, noch eine Chance, dann ist's vorbei, meine Skala ist nach oben offen, ich verrausche die Nacht wie besoffen, so scharf spür ich die Sekunden, ich kann dir nichts stunden, willst du in allem sein und nichts verpassen darfst du eins nicht, deine Zeit verprassen, schon werden die Nächte dunkler und die Tage heller, du meinst du spielst das Spiel so schnell wie möglich, aber das Spiel heißt: noch schneller.
Kampf-Einsatz
Du machst Dir keinen Begriff, von Würde nicht, und nicht von deinem Gott, du hast ein Bild in der Brusttasche, manchmal auch ein Amulett das du anbetest, die Krumen eines versprochenen Brotes, das ewige Schweigen des Buches, das wie unschuldig an deinem Bett liegt und Dinge enthält wie und ich sage euch und höret und so sei es, ich will nicht lästern, ich bin dafür, Abtreibungspillen an vergewaltigte Kosovoalbanerinnen auszuteilen, egal was deine Vertreter sagen, wie das reine kommende Leben ehren? wenn es sie nur noch ekelt vor dem Schmutz, den man in sie hineingepisst hat, diese Blutvergiftung und der uniformierte Blick der ihrem flehenden standhielt unter dem Stahlhelm, der sie auslöschte, so daß der Keim ihres Hasses Platz hatte zu wachsen und nun heranreift in ihr, sich an ihrer Plazenta sattfrißt, dies nenne ich kompromißlos gläubig lieben: dein Auge verführt dich dann reiß es heraus, dein Arm verleitet dich dann schlage ihn ab, dein Bastard macht dich hassen: dann laß ihn abgehen!
Nacht Einsatz
Mitternachts Wallung, Baby G, timte meinen Countdown, zehn, neun, noch nicht versunken im Hämmern der Bauchschläge, acht, sieben, noch nicht geflüchtet zum Chill out, sechs, fünf, beschwörte mit ihrer Leuchtschrift die Namen der leeren Körper im Raum, vier, drei, ich erinnere mich, daß ein erloschener Beat einen nichtigen Herzschlag vortäuschte, zwei, eins als prunkendes sinnloses Überbleibsel meiner selbst, außer daß aus dem Einklang von Blutrausch und Gehörsturz den der DJ entfachte in einem ewigen Zufall die Stunde null sich verdichtete als gigantischer Urknall auf die Fläche stürzte und plötzlich sahen wir Sterne, Sterne, Sterne.
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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 3.Juli. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten