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Rezension von:
Matthias Brockmann, Herr Luk und Mademoiselle Marianne und weitere Geschichten. Karben, Rubino Verlag 1999,
ISBN 3-934186-00-9
von Alfred Büngen
... und weitere Geschichten. Der Leser fühlt sich unmittelbar an die Figur des traditionellen Geschichtenerzählers erinnert, der seinen Hörern mit tiefster Emotionalität von dem Handeln seiner Helden erzählt. Helden - wer sind die Helden in einem heutigen Zeitalter von Identitätsverlust und Konformität, gibt es sie überhaupt noch, darf es sie überhaupt noch geben?
Brockmann gibt liebevolle Antworten in 12 Geschichten. Menschen werden dann zu lebendigen Figuren, dann zu erzählenswerten Bildern, wenn sie ihre individuellen Stärken und Schwächen leben, sich selbst entdecken und sich mit ihren Schwächen, die vielleicht sogar öfters ihre Stärken sind, entwickeln. Die Grenzen gesellschaftlicher Normierung werden dabei umgangen, jedoch läßt Brockmann seine Figuren niemals in offene Rebellion verfallen. Herr Luk, der alternde Französischlehrer, betrachtet seine französische Schaufensterpuppe Mademoiselle Marianne als beinahe ideale Lebenspartnerin, wenn sie denn kochen könnte. Der Handwerker Hüppenspahn verstrickt sich für den Rest seines Lebens in ein alkohol-erotischen Verhältnis mit der Hausbesitzerin Meiersohn. Der halbfertig studierte Ingenieur Hans Martin flieht vor der so lange erhofften Auszeichnung einer Erfindung und einem Berg von Geld. Der männliche Autor in der Frauenliteraturgruppe kämpft seinen verzweifelten Kampf um leckere Plätzchen (für diese Erzählung erhielt der Autor den Völklinger Senioren-Literatur-Preis), das besondere Verhältnis zwischen einem älteren Mann und einem 17jährigen Mädchen. die Schwestern, die in der Abneigung gegen die Männer ihre Liebe zueinander entdecken, vor allem auch alte Rechte Hermann, der seine Zuneigung zu türkischen Mitmenschen entdeckt. Viele andere Figuren mit Eigenarten und Besonderheiten, selbst der entmachtete Politiker AKM bleibt eine verständliche Person. Fast immer spielt die sehr offen skizzierte Sexualität der Erzählfiguren eine besondere, aber doch ständig andere, weil individuelle Rolle - Befreiung, Unterdrückung und Abhängigkeit, Lust, Zuneigung, Neugierde, Herrschaft und vieles mehr. Kein Buch von Außenseitern, kein Buch von extravaganten Besonderheiten, vielmehr das Buch von sehr alltäglichen Helden, die in ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Realität versuchen, ihre kleinen Identitäten zu erhalten. So gibt es kein positiv, kein negativ, kein richtig und auch kein falsch. Die Erzählungen sind nichts anderes als die Liebeserklärungen des Autoren an die kleinen Individualitäten unser Gesellschaft. Und die sind ein wichtiger Trost in unserer täglichen Normierung. Gut, daß wir sie haben, unsere Geschichtenerzähler.
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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 1o.Juli. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten