Kehricht

Gesellschaft und Literatur im Netz

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    Che Haven
 

Tracks von jenseits der Auslaufrille

 

01

hyazinthenblättrige Hyäne

schrei deinen Namen in die Nacht!

Auf Rasiermessersschneide

Tanz den synkopengeblähten

Fieberswing!

Ein step für jedes Balkandorf in

Schatt und Usche;

Lach wies sich gehört mit

Goldweiß gebleckten Zähnen und:

Nimm den Mundschutz raus, damit

Ich dir besser in die Fresse hauen kann!

02

Dieser verstümmelte Nachtvorhang,

aus dem die Sterne glotzen,

wie senile Pflegeeltern---

jede Häuserecke versteckt fremde Angriffsmuster;

check deine Taschen, ob dus Messer

(das schnippische) griffbereit hast.

Die eitergelbe Scheibe thront über allem und

Abrakadabrad dir Unzucht ein.

Wie nett wäre jetzt ein Teil deiner Unterwäsche

Bis über beide Ohren gezogen...

03

Was liebliches will ich dir schreiben,

was ganz und gar nicht-neurotisches im

morgenröckigen Kopfschmerz.

Die letzte Flasche war zuviel

Für meinen Magen.

Die Kloschüssel müßte saubergemacht werden.

Aber: ich kreise lieber

Zerschwitzt und erbärmlich übern

Quadratgeteilten Fliesenboden.

Hübsch scheiße seh ich aus,

aber küssen möcht ich dich trotzdem, jedoch –

da wären noch die Kotzreste in meinem Mund,

also bleibts beim geschriebenen

Wort.

04

Ganz in Weiß bist Du,

so engelsgleich

(Obwohl ich nie einen Engel(s) sah-!)

Du stierst mir dunkle Löcher in die Augen.

Bis du offenbarst:

<Small Talk sei dir unangenehm.>

(Natürlich erst, nachdem ich Dir

meine Defizite in dieser Sache gestanden habe...)

Und:<Du sitzest da hinten.>

Wie wunderbar!

Da kann ich Dich ja jederzeit beglücken,

nebst all Deinen Freundinnen und

dem benadelstreiften Kleiderschrank (ich weiß: nicht originell!),

der beim Bund gedient hat.

05

Starrgefrieren Deine Lippen nicht beim ersten Wein?

Wohl kaum!

Wie könntest Du mir sonst von

Platon, Aristoteles, Machiavelli, Hobbes, Rousseau

und all dem anderen Geschmeiss erzählen?

So lieblich bist Du (Sommerblume? Frühlingsstern?? –eijeijei!),

daß ich Deine Sanftgier nicht bemerke---

Da steh ich Kind im Spielzeugtaumel.

.

.

.

Im afternoon tea bin ich erste Klasse, aber

Meinen Schwanz wirst Du wohl nicht

quantifizieren?

06

Der Rilkebrief von vor einem Jahr

ist Thema am Sekttisch.

Da muß ich peinlich um Antwort ringen

(hätt ich doch nie meine literarischen Interessen preisgegeben!)

Pass auf, daß Du dich nicht verschluckst

beim vielen Loben (man hat da schon einige Zwischenfälle registriert)

Doppelwiederholungen in allem-

siehst Du!; wie wir Ringelreihen spielen,

ganz ohne körperliche Aktivität.

Du merkst doch auch, wie wir uns innerlich bepissen?

07

Rück Dein Auge zurecht,

das gläserne vom Kriege her!

Denn: was im diesigen Jazzsound lauert

Ist bissiger (und flinkflink) als der gemeine Bello.

Wärst du nicht so faltig,

könnte man auf Dich einschlagen, aber

so ists ja gleich Mord (wenn auch nur potentiell – nicht potenziert...)

Bieg Dein Rückgrat grade, oder

hats irreparabel zu sein? Würd mich nicht wundern,

wenn Du gleich aufstündest und

vornüber auf die Tanzfläche krachst...

: (ich hab Deine Krücken ein wenig manipuliert, alter Veteran!)

08

Blaugewebter Augenaufschlag in

holprigen postmodernschuhen.

Zwing mich bitte nicht zu tanzen! Nicht in diesem

Bildungsmillieu!! Hier wimmelts doch von angehenden Doktoren.

Einer sprach mich sogar an (sein Vater rauchte Che Guevaras Zigaretten...)

Laß uns mal zur Theke schlendern (als ob ne maritime Brise

jeden Moment ums Eck gestolpert käm)

Dein Gang ist auch nicht mehr vom Feinsten!

In diesem Tuschelgemäuer kein Wunder!!

Und jetzt mal drei : !!!

Berühr noch ein letztes Mal meinen Knochenarm – ich frag auch nett.

Tcha, das wars. Davorne kommter langgezognen Schrittes.

Machts Maul auf:< Darf ich Dir Deine Freundin kurz entführen?>

Nimms mit; ist ja Deins! Beim nächsten Mal die Ironie aber

Bitte deutlicher plazieren!

09

Das Tiefblau

tragend, steppend, flucht-ergreifend

heult sich eine Seele vom

Waschbrett.

Was, dachtest Du, sei

Der Zweck stahltrainierter Körper?

Reiß Dein Kleid in Fetzen,

dann muß er es nicht tun!

(bläuliches Geflatter im

Sprenkellicht der Silberkugel)

Fransen blättern sich

Aus Dir hervor... wie still

Doch plötzlich alles singt.

Nur zierliches Salz (liquid!!)

Fällt fließenkrachend

Kummerwärts.

10

Im Halbmorgen verblüffst Du

meinen Traumgeist.

Dein Lächeln flattert

( - lemon and lime flavor!)

sekundenhaft durchs Deckenlager.

Eine Büste möchte ich aus Dir formen,

in antiker Tradition; dann

laszivierst Du auf dem Schreibtisch

mit kühlem Bein

und allem

und mehr sogar-

Morgen frag ich Dich, wie’s Dir geht.

Falls wir uns treffen...

11

Komm doch rein, in diese zerstörte Hütte

Und betrachte,

was fluchend darin haust!

(Du könntest Brausewein mitbringen, den Du natürlich wieder nicht austrinkst- - - )

Ich weiß, es ist ungerecht (denn mein bester?, ja mein bester

Freund, klebt Dir noch immer im Kopf);

Aber: was spricht dagegen?

Willst Du erstmal Deine Ruhe haben?

Fahren wir doch zum See,

dort ist es still-

 

 

 

 

 

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