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| Christian Eggenberger |
paris
er hatte das kind schon eine weile beobachtet. es stand unschlüssig am strassenrand herum. irgendetwas hielt seinen blick an ihm gefangen. diese augen ...
irgendwie erinnerten sie ihn an irgendjemanden. - na klar. maria. seine ex-frau. vor 20 jahren geheiratet, vor 10 geschieden. seither keinen kontakt mehr.
mit ihr hatte er die schönste zeit seines lebens verbracht. amour-fou. wundervoll. à la lowrys "for christ sake yvonne, please come back." sie war aber nicht zurück gekommen. nur gegangen, nach 10 jahren. schwanger. von einem anderen. kommentarlos. er hatte auch nicht gefragt. was gab's da noch zu fragen? nur innen, innen: please come back, for christ sake.
dieses kind hatte ihre augen. himmelnochmal, was für ein zufall. wo war denn nur seine mutter? er war neugierig, ob auch sie maria ähnelte.
seine begleiterin zog ihn am ärmel. - jill, er hatte sie in amerika kennengelernt. auch sie war schon mal verheiratet gewesen. sie behandelten einander weise und mit respekt.
da - das mädchen rief "maman!" und rannte los. in den pariser abendverkehr. er rannte ebenfalls los.
er bereute, dass er keine zeit mehr hatte, "maman" anzusehen.
"mike! mike!" rief jill ihm nach.
er hechtete über die strasse, riss im flug das kind mit auf die andere seite. er schlug mit dem gesicht und den ellbogen auf den randstein auf. aber es gelang ihm, das mädchen unverletzt abzusetzten. mit staunenden augen und zitternd sah es ihn an. diese augen. diese augen.
wo war nur die mutter?
er rappelte sich auf, die schmerzen fuhren im voll durch den körper. im gesicht blutete er leicht. mann o mann.
jill kam schreiend zu ihm gerannt. "mike, mike, are you okay?!"
hinter ihr kam die mutter angerannt.
"maria. maria. qu'est ce que tu fais?!!!"
- DIESE STIMME. diese stimme. er starrte die mutter an, die eben maria in die arme nahm. christ sake. sie war es. for christ sake.
der vater des mädchens kam jetzt auch angerannt. dankbar umarmte er ihn." merci monsieur, merci beaucoup." mit tränen in den augen sagte er " vous avez sauvé ma fille. merci."
- DIE MUTTER, die mutter. über die schulter des vaters sah er sie an. da erstarrte auch sie.
regungslos sahen sie sich an. in seinem kopf dröhnte und hämmerte es. die zeit stand still. er wusste jetzt, das es dies gab. die zeit stand still. himmelherrgott.
jill begann ihn zu rütteln. "hey mike, what's the matter? are you allright?"
- " it's maria."
immer noch wie gelähmt sah er zu maria hinüber.
auch der vater wandte sich jetzt ihr zu und fragte: "mais maria, tu ne remercie pas le sauveur de ta fille? maria..."
" c'est mike", sagte sie tonlos.
der vater sah ihn wieder wortlos an und umarmte ihn nochmals.
"merci monsieur mike". und küsste ihn auf die wange. dann nahm er die petite maria an der hand und ging ein paar schritte weiter. die kleine drehte sich - verwundert über die ganze szene - um und winkte ihm zum abschied.
auch er winkte, sah nochmals in diese augen; dann zu maria - FOR CHRIST SAKE - und sagte zu jill: "please jill, gimmi a cigarette."
dann hängte er sich bei ihr ein und sie gingen in die andere richtung. an der ecke drehte er sich nochmals um. da stand seine maria immer noch, ihm nachschauend, ungläubig, mit ihren grossen augen. for christ sake.
jill zog ihn um die ecke, in die nächste bar." two gin tonic please. for him a double." sie küsste ihn zart auf die lippen.
"so my hero. why didn't you introduce me?"
er wusste es nicht, for christ sake er wusste es nicht.
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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 3.Juli. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten