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Jörg Ehrnsberger |
Darf man für DVU Wähler beten?
Das ist die Frage, die Dr. Peter Gauweiler in der Bildzeitung als Gastkommentator stellen darf.
Wahrscheinlich lief es aber wieder so ab. Die Bildzeitung ruft Peter Gauweiler an:
"Hallo Peter! Wir bräuchten da mal wieder was knackiges. Und da dachten wir an sie."
Gauweiler: "Wenn das so läuft wie immer, kein Problem. Ihr schreibt und faxt das dann mal meinem Pressereferenten zu. Von dem kriegt ihr das dann zurück und druckt das mit meinem Namen."
"Ja, klappt schon. Das Geld überweisen wir dann wieder auf das Konto wie üblich."
"Ja wunderschön, machen wir so. Und die Gattin? Alles in Ordnung zu Hause?" "Ja, alles wie immer. Bitte Sie, auch ihrer Gattin beste Grüße übermitteln zu wollen."
"Ja vielen Dank, ebenso."
Die Frage hat er sich aber nicht ganz alleine ausgedacht. Ein Bischof aus Magdeburg sagte, er werde für die DVU Wähler beten, damit sie auf den Weg der Tugend zurückfinden. Ist ja auch eine gute Idee und bringt gewiß viel Sympathie ein. Denn plötzlich ist es wieder schick und notwendig was gegen Nazis was zu tun. Wie nach jedem größeren Brandanschlag oder rechtem Wahlerfolg schreit alles kurz auf und sagt: "Jetzt müssen wir aber mal was tun!" Und man beginnt irgendwelche Bündnisse zu schmieden. Und sieht sich nach Bündnispartnern im Kampf gegen das Böse um. Aber die Einen wollen doch lieber nicht und die Anderen sind schon lange aktiv, auf ihre Art und Weise. Doch diese Art und Weise kann man als aufgeschreckter Hilfe-Warum-tut-denn-keiner-was-Aktivist nicht gutheißen. Denn man läßt sich nicht gerne reinreden von Leuten mit längerer Erfahrung und deshalb anderem Blickwinkel. Und um dann doch nix mit denen machen zu müssen, heißt es dann: "Die Chaoten machen alles kaputt, man muß doch erst mal mit den Nazis reden."
Oder für sie beten. Das ist sogar noch besser als reden. Denn erstens ist es nicht so gefährlich, man muß keine verruchten Orte aufsuchen, sondern kann hübsch von Zuhause aus, kurz vor dem Schlafengehen ein paar bittende Worte FÜR die Nazis losschicken und dann mit gutem Gewissen einschlafen. Wenn das nicht hilft, kann man wahrscheinlich nicht mehr viel machen.
Denn schließlich hat hier doch der dafür zuständige agiert. Ein Bischof hat gebetet. Und wenn dann nichts passiert, hat wohl alles seine Richtigkeit. Und das ist ja auch wichtig für Herrn Gauweiler. Schließlich hat er ja durch seine Partei mit dem C einen guten Draht nach oben. Und er fragt jetzt: "Für DVU Wähler beten? Darf man das Und für die von der PDS wohl möglich auch noch?"
Lieber Peter, erlaubt ist was gefällt!
Auch hier keine Überraschung, die PDS darf nicht fehlen Und die bösen Linken sind natürlich noch böser als die nur etwas verblendeten DVU Wähler, aber das ist immer vom Standpunkt abhängig.
Doch sogar Herr Gauweiler schreibt manchmal Sätze, denen ich fast zustimmen kann: "Wir sehen die Leute aus rechtsextremen Parteien nicht ohne Grund als gefährliche Täter." Aber hier trennt sich bereits wieder unsere Meinung, denn Gauweiler schreibt weiter: "Weil ihr Denken von einer Negativstrategie bestimmt ist:"
Oh weh, die armen Nazis! Ihr Denken wird von einer Negativ-Strategie bestimmt. Also müssen sie immer alles schlecht sehen, ob sie wollen oder nicht. Sie können gar nicht anders. Das entschuldigt einiges...
Fast bekomme ich Mitleid. Wie bedrückend und hinderlich im Alltag muß es sein, immer negativ zu denken. Und das auch noch, wo doch die Maxime des ausklingenden Jahrtausends ist "Think-positive-um-jeden-Preis.
Und überhaupt, Peter: Erst denken, dann schreiben, oder bessere doch lieber nicht. Denn eine Strategie ist eine geplante und zielgerichtete Bereitstellung und Anwendung aller Mittel, eine langfristige Grundsatzplanung zur Erreichung bestimmter Ziele. Zumindest sagt das der Brockhaus oder die Encyclopedica Britannica. Aber diese Bücher hat Gauweiler wahrscheinlich nie gelesen. Denn beide haben ziemlich viele Seiten und letztere ist dazu noch ein ausländisches Buch. Eine Strategie ist also etwas, was man sich zurechtlegt. Und wer sich eine Negativ-Strategie zurechtlegt, braucht kein Mitleid. Es ist sein ureigenstes Problem, die Welt negativ zu betrachten.
Nazis und DVU Wähler sind nicht deshalb gefährlich, weil sie eine Negativstrategie im Kopf haben, sondern weil sie dazu neigen anderen den Kopf einzuschlagen. Oder Häuser anzuzünden, bzw. sich sonstwie zu ´m Herren über Leben und Tod aufschwingen.
Aber weiter im Text. Gauweiler gesteht den Nazis sogar zu, daß Sie "dummerweise in Einzelfällen nicht immer unrecht haben." Ja, da ist man sich einig: Ausländer raus, Arbeitsplätze zuerst für Deutsche und wer nicht spurt fliegt raus, das bestimmen wir.
Gauweiler nennt die DVU Wähler und Nazis "Autisten, deren Störung sich als Flucht in zwanghafte Phantasiewelten äußert." Nein, dem stimme ich nicht zu. Autisten ziehen sich in ihre Welt zurück und lehnen Kontakt mit der Außenwelt ab. Und gerade das kann man von Nazis, die erst glücklich sind, wenn alle so denken wie sie (also möglichst wenig selbständig), nicht behaupten. Außerdem habe ich noch keinen Autisten erlebt, der anderen sein Weltbild aufpressen wollte. Und alle, die dieses Weltbild nicht akzeptieren, in Lager steckt. Darüber hinaus neigen Autisten allenfalls zur Autoaggression. Alles in allem sehr verharmlosend, was Herr Gauweiler von sich gibt Aber vielleicht hat das ja Methode und soll auch so sein. Wurde doch gerade in den letzten Tagen bei der CSU wieder das Wort des Geheiligten Franz Josef Strauß laut: Rechts neben der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben.
Alles Klar, Herr Gauweiler, habe verstanden.
DVU Wähler schwenk Marsch und zurück ins Glied. Ist doch gar nicht nötig, daß ihr DVU oder sonstige Nazis wählt. Könnt ihr doch auch alles viel besser bei der CSU haben. Schließlich war es doch die CSU, die die Themen, mit denen jetzt die Naziparteien absahnen, wieder hofffähig gemacht hat...
Im letzten Absatz schreibt Gauweiler: "Wir brauchen, wieder von rechts bis links, eine offene nationale Aussprache. Und müssen Gott bitten, daß er uns die dazu nötige Vernunft verleiht."
Alles klar; nationale Aussprache, also ohne alle Menschen, die hier leben und zufällig nicht deutsch sind. Klingt ja auch gehobener als: Ausländer raus!
Und Gott möge Vernunft verleihen. Das heißt, wer sie verliehen bekommen muß, hat sie noch nicht. Das glaub ich gern.
Was bleibt da noch zu sagen? Lies Bild und du wir gesund im Kopf, denn Gott verleiht dir Vernunft. Bloß nicht selber was machen, sondern auf hilfe von rechts-oben warten
Abschließend sei noch erwähnt, daß der Artikel zwischen zwei Werbeanzeigen steht. Die eine preist "Sexanorma gegen Leistungsschwäche und Nachlassen der Spannkraft" an und auf der anderen Seite eine Anzeige gegen Prostataleiden. Und lästige Blasenschwäche. Gibt es einen Zusammenhang? Muß ich den sofort verstehen? Oder muß ich erst warten, bis Gott mir die Vernunft verleiht?
Wenn das so ist: GUTE NACHT!!!
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26.Juni1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten