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Ein Dichter und sein Tod - Die letzten drei Tage des Fernando Pessoa von Antonio Tabucchi

von Christian Hoffmann

Der italienische Schriftsteller Antonio Tabucchi wurde mit mehreren Büchern, wie etwa Erklärt Pereira, Lissaboner Requiem und Indisches Nachtstück berühmt. Besonders Erklärt Pereira, der Roman über einen kleinen Kulturredakteur, welcher sich zu Zeiten des Faschismus auf die Seite des Widerstandes schlägt, kam zu Bestsellerehren und wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Tabucchi hat damit schon zu Lebzeiten einigen literarischen Ruhm erlangt und kann die Früchte seines Schaffens schon jetzt ernten.

Mit Die letzten drei Tage des Fernando Pessoa verfasste er eine Erzählung über einen Autorenkollegen, dem dieses glückliche Los nicht beschieden war: Fernando Pessoa, der heute als einer der größten portugiesischen Dichter des 20. Jahrhunderts angesehen wird, wurde erst nach seinem Tode entdeckt. Geboren wurde er am 13. 06. 1888 in Lissabon, verbrachte einen Teil seiner Kindheit und Jugend in Südafrika und lebte schließlich bis zu seinem Tode am 30. 11. 1935 wieder in Lissabon. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Angestellter einer Handelsfirma und schrieb in seiner Freizeit eine riesige Menge an experimenteller Lyrik, Essays und Prosa. Veröffentlichen konnte er fast ausschließlich in diversen Zeitschriften, lediglich ein einziges Buch mit dem Titel Mensagem (zu deutsch: "Botschaft") erschien kurz vor seinem Tod. Als er starb, hinterließ er nicht weniger als 27453 Manuskripte!

Seine künstlerische Experimentierfreude zeigte sich besonders dadurch, daß er sogenannte Heteronyme erschuf - voneinander unabhängige, schöpferische Verkörperungen seiner eigenen Person. Das heißt, er spaltete seine Schriftstellerpersönlichkeit in mehrere fiktive Figuren auf, die für die verschiedenen Aspekte seiner Kreativität standen. Pessoa begnügte sich nicht damit, jeder einzelnen dieser erfundenen Personen einen eigenen Schreibstil zuzuweisen, er erschuf, um ihnen einen Anschein von Realität zu verleihen, jeweils eine eigene Biographie und einen besonderen Charakter. Inwiefern dies als bewußter Versuch, ein gewisses System in sein künstlerisches Schaffen zu bringen, oder aber als Zeichen von Wahnsinn zu werten ist, soll dahingestellt sein.

In Deutschland sind Pessoas Werke momentan im Ammann Verlag, sowie als Taschenbuchausgaben bei Fischer lieferbar.

In Die letzten drei Tage des Fernando Pessoa schildert Antonio Tabucchi, wie die erwähnten fiktiven Heteronyme Fernando Pessoas als reale Personen den todkranken Dichter, der sie geschaffen hat, in seinem Krankenzimmer besuchen und sich von ihm verabschieden. Jeder dieser imaginären Herren spricht auf seine ganz eigene Weise mit dem Sterbenden; diese kurzen Gespräche über Leben und Kunst weckten bei mir während der Lektüre den Wunsch, die nächste Buchhandlung aufzusuchen, die Gesammelten Werke Pessoas zu bestellen und mich daran zu machen, herauszufinden, welcher Text nun zu welchem Heteronym gehört.

Die Person Fernando Pessoas dient Tabucchi jedoch gleichzeitig dazu, sich Gedanken über das Sterben, den Tod und die Möglichkeit der (künstlerischen) Unsterblichkeit zu machen. Durch seine klare, knappe und zugleich bildhafte Sprache schafft er es auf gerade mal 60 Seiten, eine erstrebenswerte Art des Abschiednehmens vom Leben zu schildern. Nicht nur das Leben Fernando Pessoas wird der Leserin, dem Leser durch die Lektüre dieses schmalen Büchleins nähergebracht, sondern auch ein bewundernswerter Gedanke: Ist es möglich, daß der Tod uns in einem Zustand der Zufriedenheit und Würde findet? Fernando Pessoa wurde nicht gerade alt, er starb an Leberversagen, hatte sein ganzes Leben lang materielle Schwierigkeiten und wohl allerlei andere Probleme - und dennoch schildert Tabucchi sein Leben als ein erfülltes und sein Sterben als Blick in den Spiegel seiner eigenen Kreativität.

 

Die letzten drei Tage des Fernando Pessoa

Ein Buch von Antonio Tabucchi

Originaltitel: Gli ultimi tre giorni di Fernando Pessoa

aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl

67 Seiten

Edition Akzente

Carl Hanser Verlag

ISBN 3-446-19507-6

 

 

Christian Hoffmann

 

 

 

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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 1o.Juli. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten