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Thomas Klein |
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| Dienst |
Daß Polizist 2 nicht gleich folgen konnte, als Polizist 1 seine spontane Eingabe dem Kollegen kundtat, ist nicht verwunderlich. Ursache: Polizist 2 speichert wesentlich mehr potentielle Energie im prominenten, gut durchtrainierten Gesäß als im klapprigen Denkapparat. Also war Polizist 1 gezwungen, dem Kollegen mit dem tiefen Schwerpunkt die Idee ein weiteres Mal zu erläutern. Er bemühte sich sehr, in abgehacktem Exekutivdeutsch die Vorteile seines Konzeptes herüber zubringen. Beide spielten während der Übertragung von relevanter Information nicht gerade mit ihren -Piep- aber doch eifrig mit Schlagstock und Pfefferspray, was auch ganz schon scharf war. Polizist 2 war nicht zu stolz, immer wieder einmal nachzufragen, vor allem im Mittelteil, der doch etwas lang geriet und auch manchmal die klare Linie verlor. Einfühlsam sprang dann der Kollege, der sich aufgrund ebenfalls wachsender Schweißflecke in den Achseln mit seinem Gegenüber verbunden sah, zur letzten Abzweigung des Gesprächs, an der sich die beiden verloren haben mußten, zurück. Lange standen sie so mit ihrem Streifenwagen quer in einer schmalen Straße, in der sich bereits ein fettes Gerinnsel aus bösen, aber hilflosen Autolenkern zusammengeschoben hatte. Die Schlange kam den beiden nicht zu Bewußtsein, zu vertieft waren sie in Erörterung. Durch die erste der festgekeilten Windschutzscheiben waren lediglich zwei rotschädelige, uniforme Männer in einem grau-weißen Wagen zu erkennen, von denen einer redete, der andere hin und wieder den Kopf schüttelte oder gedankenüberladen die Sonnenblende herunterklappte. Wer in diesem artifiziellen Stau steckte, konnte nur schwer erahnen, weshalb ihm Viertelstunden seines Tages gestohlen wurden und das von Organen, die Diebstahl eigentlich präventiv und auch hinten nach bekämpfen sollten. Polizist 1, der dem Prototyp des kurzfristig geduldigen, dann aber jähzornig aufbrausenden Gesetzeshüter entsprach, verzichtete abwinkend auf das Verständnis des Beifahrers, zumal es seiner Hilfe zur Ausführung des Planes nicht bedurfte. Bedauerlich nur, daß von Polizist 2 kein Dank zu erwarten war, zumindest nicht für die nächsten Jahre, in denen das Problem in einem geistigen Winkel vor sich hinglosen würde. Ganz ausgeschlossen ist es nicht, daß noch ein Auflammen des Begreifens den kleinen Raum erhellen wird.
Auf sich allein gestellt, tippte Polizist 1 präzise wie die Dienstwaffe eine Nummer ins Handy. Mit nicht verstellter Stimme (wozu auch Frequenzänderung?) gab er der Rundfunk-Verkehrszentrale vertrauliche Hinweise. Die paradoxe Absicht, sich selbst zu verraten, ist bei genauerem Hinsehen nicht ohne Scharfsinn. Er teilte der Institution staatlicher Rundfunk mit, wo eine Radarfalle aufgebaut worden sei. Nämlich genau an dem Punkt, wo alles hinter ihrem Streifenwagen unruhig wurde. In der sicheren Gewißheit, daß diese Schwindelei ihre lästige Arbeit zu null reduzieren würde, da die Lokalisation der Radarfalle lichtschnell im ganzen Land bekannt sein würde, war der Weg freigetrickst zum nächsten Beisl. Fünf, sechs Bier und eine ausgedehnte Zwischenmahlzeit machten den Nachmittag schön.
Derweil war der Chef im Revier sehr zufrieden mit der ehrgeizigen Dienstauffassung seiner Gendarmen. Lächelnd drehte er sein abgegriffenes Radio lauter, um die hektisch verängstigte Radarwarnung erneut zu genießen. Gut so. Die Polizei ist überall.
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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 7.April 1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten