Kehricht

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  Thomas Klein

 
  Tierwelt
 

 

"Jaaaa!" schrie er in den anderen Körper hinein. Alles an ihm schien sich zu verkrampfen. Scharf durch die Zähne eingezogene Luft. Stoßseufzer. Er ließ sich schwer auf das Fleisch unter ihm fallen.

"Ich liebe dich", murmelte er.

Sie sagte nichts und rührte sich auch nicht.

"Du bist umwerfend". Er gab ihr einen kleinen Kuß auf die Nase.

Keine Reaktion.

"Du bist die Beste!"

"Was denn, sogar besser als deine Frau?" fragte sie spitz und starrte an ihm vorbei.

Er kratzte sich verlegen an einer Pobacke. "Ich bitte dich, wir haben doch ausgemacht, keine Vergleiche anzustellen. Du sprichst nicht von deinem Mann und ich nicht von meiner Frau!"

" -Die Beste- das ist doch nichts anderes als ein Vergleich, auch wenn ich diesmal nicht schlecht aussteige. Ist es wahr, bin ich besser?" Ihre Stimme wankte etwas.

"Nun" sagte er zögernd, "das ist eine nutzlose Frage und außerdem unmöglich zu beantworten. Ich wäre ja auch nicht in der Lage, aus Chianti und Beaujolais einen eindeutigen Sieger zu küren. Es sind beide hervorragende Rotweine und doch sind sie grundverschieden."

"Du Sau" fuhr sie ihn an. "Sofort runter von mir!"

Er gehorchte behäbig.

Wütend zog sie die Bettdecke bis zum Hals und griff nach der Fernbedienung. Der Bildschirm leuchtete hell auf. Das Flackerlicht machte aus dem Raum eine moderne Höhle.

"Universum", sagte sie. "Vielleicht bringen sie einen Bericht über Dreckschweine. Dann seh ich dich sicher irgendwo im Schlamm wühlen"

"Das ist Ross Island", sagte er ungerührt. "1300 Kilometer vom Südpol entfernt. Da gibt es keine Schweine."

"Was du alles weißt! Wäre schön, wenn du mir gleich viel Aufmerksamkeit schenken würdest wie der Programmzeitschrift!"

Ein paar Frackträger watschelten durchs Bild. Der Sprecher erklärte sonor:

"Die Pinguine auf Ross Island haben eine sozio-kulturelle Spezialität entwickelt. Wenn die Männchen unterwegs sind, um Brauchbares für den Nestbau zu sammeln, gehen ihre Partnerinnen fremd. Doch nicht etwa zum eigenen Vergnügen. Denn die Liebhaber müssen in harter Währung bezahlen: Mit einem kleinen Stein. So kommt das Weibchen auf seine Weise zu Baumaterial für das Nest. Steine sind auf Ross Island rar."

"Mußt du jetzt wirklich fernsehen?" fragte er. "Du weißt, ich kann heute nur bis halb zehn bleiben. Höchstens dreiviertel zehn."

"Du kannst auch jetzt schon verschwinden! Geh' heim und trink' deinen Chianti. Der Beaujolais wird für einen festlicheren Anlaß aufgehoben."

Er seufzte. "Wie lange willst du mir denn noch böse sein?"

"Mindestens bis 23 Uhr."

Resignierend wandte er sich ab und begann lustlos, das muntere Treiben der Frackträger zu verfolgen. Dann stieg er unvermittelt aus dem Bett und kramte in seiner Manteltasche.

"Hier", sagte er und hielt ihr ein kleines Päckchen hin. "Das soll dir helfen, mir zu verzeihen."

"Für mich?" Sie betrachtete das Päckchen prüfend. "Mach es auf!" sagte sie.

Er riß das Papier herunter und öffnete die Schachtel, die nicht größer als ein Spielwürfel war. Ein besetzter Goldring funkelte ihr entgegen. "Das ist ein echter Diamant" erklärte er. "Ein wunderbarer Edelstein."

 

 

"Ein schöner.... Stein", sagte sie, steckte den Ring an und sah einem Pinguinweibchen beim Eierlegen zu.

 

 

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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 7.April 1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten