|
|
Kehricht Gesellschaft und Literatur im Netz |
| zurück zur Übersicht Kehricht | zum Autor |
Marion Lange |
|
| Der stumme Flaschengeist |
Im Zimmer war es beinahe
stockdunkel. Helga reckte die Glieder und rieb sich mit den
Handflächen ein paar Mal feste kreisend durchs Gesicht. Durch
einen winzigen Spalt in der Rollade drang ein einsamer
Sonnenstrahl. Gott hat mich also wieder einmal erwachen lassen,
dachte sie und riß gähnend den Mund auf, drehte mühsam ihren
schweren Körper aus der Rückenlage auf die Seite und, tastete
sich mit den Füßen unter der warmen Decke hervor ins Freie. Der
Rücken schmerzte mal wieder und das Reißen im
Ellenbogen war vermutlich nur deshalb nicht zu spüren, weil der
ganze Arm sich taub anfühlte. Nicht mal bewegen konnte sie ihn.
Sterben auf Raten fühlt sich ekelhaft an, nuschelte Helga, griff
mit dem wachen Arm den eingeschlafenen und begann, ihn hin und
her zu schlenkern. Mit dem Blut kehrte auch der ziehende
Rheumatismus an die altvertraute Stelle zurück. Mit geübter
Bewegung schlug sie die Decke so vom Bett zurück, daß diese zum
Lüften gleich in der richtigen Position lag, erhob sich und
fühlte sich zwischen Bett und Wäscheschrank zum Lichtschalter
vor und von dort weiter zum Rolladenriemen, dessen Gewebe an
einigen Stellen fortgeschrittenen Verfall aufwies. Dafür müßte
sie bestimmt bald einen kommen lassen, doch solange der Gurt noch
seinen Dienst tat ... Ein halbes Jahr hielt er bestimmt noch.
Eigentlich wäre es sogar gut, wenn er kaputt ginge. Das
mühselige Hoch- und Runterkurbeln könnte sie sich sparen,
schlafen ging sie sowieso stets im Dunkeln und ein permanent
geschlossener Rolladen minderte das Risiko, daß eingebrochen
würde. Vor allem aber würde sie keinen Fremden in ihre Wohnung
lassen müssen. Keinen, von dem sie nicht wußte, ob er
schlußendlich während der Reparatur nicht nebenbei
auskundschaftete, ob hier was zu holen sei. Helga mißtraute
Fremden. Die Welt war schlecht. Wo man ging und stand konnte man
überfallen werden. Selbst bei den eigenen Kindern war man nicht
mehr sicher. Wie oft hatte sie im Fernsehen von den
hinterlistigen Methoden der Erbschleicherei gehört. Nirgends war
man sicher!
Sie griff das mit den Jahren
speckig und schmutzig gewordene Band und hievte den hölzernen
Schutz in winzigen Schritten nach oben. Erst ein Drittel des
Fensters war freigelegt, als Helga die erste Pause einlegen
mußte. Bleischwer hingen ihr die Arme, das Herz raste und ihr
Atem ging stoßweise.
"Elende Plackerei!"
schimpfte sie und griff erneut nach dem Band. "Man kommt
sich vor wie der Glöckner von Notre Dame." Aus der Diele
drang das Klingeln des Telefons schrill durch die noch halb
verhüllte Helligkeit.
"Wer ist das denn?" rief sie und drehte das Ohr, sich
ganz auf das Klingeln konzentrierend, in Richtung des Apparates.
....fünfmal, .....sechsmal
.....siebenmal, zählte Helga, als das Geräusch verschwand, wie
es gekommen war. Ob das Paul, ihr Sohn, gewesen war? Um die Zeit
rief er sonst nie an. Oder vielleicht ihre Tochter? Hatte sie
überhaupt eine Tochter? Doch ja! Sie mußte eine haben, sie
erinnerte sich an deren Enkelkinder. Auch von ihrem Sohn hatte
sie Enkelkinder, doch die sah sie beinahe nie. Am anderen Ende
Deutschlands wohnten sie, dort hatte ihr Sohn eine Firma gekauft,
damals. Daran erinnerte sie sich, denn die drei Millionen, die er
dafür aufnehmen mußte, hatten sich in ihre Erinnerung
gefressen. Drei Millionen! Eine unvorstellbare Summe. Das
Gespräch mit ihm flutete unvermittelt ihre Gedanken. "Ich
bin jetzt mein eigener Chef", hatte er gesagt. Ungemein
stolz war sie darauf, daß er es soweit gebracht hatte. Die
Entbehrungen, die sie auf sich genommen hatte, um ihm das Studium
zu ermöglichen, hatten sich also gelohnt. Unerwartet fügte er
der frohen Nachricht an, daß nun so gut wie jeder Stein seines
schmucken Eigenheims belastet sei. Entsetzen war in ihr
aufgestiegen. Monatelang hatte sie keine Nacht ruhig schlafen
können. Stets tauchte ihr Sohn mit Frau und vier Kindern völlig
verarmt, in Lumpen und hungernd in ihren Träumen vor ihrer Tür
auf und bat um ein Stück Brot. Und im Traum fielen Bomben direkt
neben ihnen nieder. Der Krieg hatte Helga nie wirklich verlassen.
Sie ließ von der Rollade ab
und schlurfte zum nierenförmigen Tischchen, auf dem säuberlich
gefaltet die Anziehsachen des Vortages lagen, stützte sich mit
den Händen auf der Tischkante ab und spähte umständlich unter
die Platte. Wo sie nur wieder ihre Pantoffeln hatte? Sicherlich
hatte Fred sie wieder angezogen, weil er seine eigenen nie fand.
Mit dem würde sie gleich ein Hühnchen rupfen. Auf nackten
Füßen tastete sie sich zum Wäschepuff und entnahm ihm den
weinrot und grün gestreiften Bademantel, schlüpfte hinein und
ging ins Bad. In dem zur Gebißbadedose umfunktionierten Senfglas
ruhten ihre Dritten. Helga drehte am Heißwasserhahn, testete mit
dem Zeigefinger die Temperatur, entnahm dem Glas das Gebiß und
spülte es ab. Bevor sie es einsetzte, schickte sie einen
prüfenden Blick in den Spiegel. Der noch zahnlose Mund lag in
tausend winzigen Falten. Neben dem rechten Jochbein prangte ein
riesiger brauner Altersfleck in Form des italienischen Stiefels,
dessen Absatz Richtung Ohr deutete. Wild und widerspenstig stand
das Brauenhaar, dessen vereinzelte Ausläufer sich bis auf das
Oberlid vorwagten und ebenso formlos standen aufmüpfige graue
Büschel von der Kopfhaut ab, die schuppig und an manchen Stelle
gerötet durch das feine, ausgedünnte, silbrige Weiß
schimmerte. Wie schön war sie einmal gewesen! Die Männer hatten
sich nach ihr umgedreht und versucht, sie als Tanzpartnerin zu
gewinnen. Damals - im großen Tanzcafe, wo noch eine richtige
Kappelle gespielt hatte. Und nun? Was war von der Schönheit
übriggeblieben? Ein verbrauchtes, faltiges, fleckiges Gesicht
und ein schmerzender, aus dem Leim geratener Körper. Und mit der
Schönheit hatten sich all die rosigen Träume verflüchtigt. Das
Leben war wahrhaft wie eine Hühnerleiter: von oben bis unten
beschissen. Der Krieg hatte ihr die Jugendjahre ebenso geraubt
wie die Tatsache, daß sie als älteste von acht Geschwistern
schon früh Verantwortung hatte tragen müssen. Bereits mit
vierzehn stand sie zwölf Stunden im Geschäft auf den Beinen,
getriezt von einer herrschsüchtigen, fordernden Chefin.. Dem
folgten die Hungerjahre der Nachkriegszeit und die Ehe mit Fred.
An allen Ecken und Enden hatte es gefehlt. Nichts, aber auch rein
gar nichts, konnten sie sich leisten. Das hatte sich erst
geändert, als sie schon jenseits der sechzig war. Ein mühsam
erwirtschafteter bürgerlicher Wohlstand auf Kosten des Lebens.
Zwanzigtausend Mark hatte sie nun auf dem Sparbuch - doch was
sollte sie damit? Eine neue Waschmaschine könnte sie kaufen.
Andererseits funktionierte die alte ja noch. Zwar war der
Thermostat kaputt, so daß sie die Temperatur nicht mehr
einstellen konnte und die Wäsche regelmäßig zu kochen anfing,
wenn sie nicht rechtzeitig auf "kalt" stellte - aber
sie deshalb gleich wegschmeißen? Sie konnte ja beim Waschvorgang
dabei bleiben und rechtzeitig eingreifen.
Das Telefon schellte erneut.
Wer kann das denn sein,
überlegte Helga. Ohne die Zähne einzusetzen betrat sie die
Diele und stellte sich vor den surrenden Apparat, als könne er
ihrAuskunft über den unbekannten Anrufer erteilen. Wieder
siebenmal. Der reinste Telefonterror. Sicher wollte irgendein
Einbrecher in Erfahrung bringen, ob hier eine alte Frau wohnt,
die leicht zu überwältigen wäre. Aber nicht mit ihr! Mochte ja
sein, daß sie alt und verbraucht war - blöde
war sie sicher nicht. Im Rechnen war sie immer Klassenbeste
gewesen. Und das hier konnte sich ein Blinder mit Krückstock an
seinen zehn Fingern ausrechnen: daß, wenn sie nun ans Telefon
gehen würde, der Einbrecher wüßte, daß sie alt und alleine
war. Andererseits empfahl es sich vielleicht, doch ran zu gehen.
Nachher ging dieses Subjekt davon aus, daß die Wohnung verlassen
und somit geeignetes Objekt für einen Beutezug war.
Als sie sich entschlossen
hatte, den Hörer aufzunehmen und : Moment bitte,mein Mann kommt
gerade zur Tür herein, in die Muschel zu sagen, erstarb das
Läuten. Verdammt! Jetzt mußte sie schnell alle Türen und
Fenster verrammeln. Immer noch im Bademantel und ohne Zähne
eilte sie, so schnell die alten Knochen es zuließen, zurück ins
Schlafzimmer, packte den Rolladengurt und zog ihn, beinahe
panisch, mit aller zur Verfügung stehenden Kraft von der Spule.
Der Gurt rutschte durch ihre Hände und hinterließ eine
Bandspur. Draußen vor dem Fenster knallten die in Bewegung
gesetzten Holzlatten auf die steinerne Fensterbank. Helga
mißachtete den Schmerz, verließ das Schlafgemach auf dem
kürzesten Weg und griff den Schlüsselbund vom Brett, um die
Haustüre abzuschließen. Die Klinke bereits in der Hand zögerte
sie: sicher war es ratsam, neben der Wohnungstür auch die
Haustür abzuschließen, doch was, wenn der Räuber das erste
Hindernis bereits hinter sich gebracht hatte und schon im
Hausflur stand? Die Wohnungstür öffnen, um zur Haustüre zu
gelangen, bedeutete dann völlig ungehinderten Einlaß für den
Strolch. Helga trat Angstschweiß auf die Stirn. Unschlüssig
hielt sie die Klinke weiterhin in der Hand, legte das Ohr auf's
Holz und horchte. Da! Was war das für ein Geräusch an der
Haustüre? Das mußte er sein! Oh Gott, er war schon im Haus, was
sollte sie tun? Die Tränengas-Sprühflasche im Garderobenschrank
kam ihr in den Sinn.
Hastig drehte sie sich um, tat
die wenigen Schritte bis zu dem rettenden Aufbewahrungsort, riß
die Tür auf und stöberte auf dem eingelassenen Regalbrett nach
der grünen Dose. Wo war das verdammte Ding nur? Immer fahriger
schoben ihre runzeligen Hände das schwarzbraune Heer der Mützen
und Handschuhe suchend durcheinander. Ein knochenharter,
gelbbraungrüner Ball purzelte ihr entgegen: eine verdorrte,
angeschimmelte Pampelmuse. Das Tränengas blieb verschollen. Ihre
Finger berührten etwas längliches Hartes. Sie packte es und zog
es aus dem Wust heraus. Freds Sarazenendolch-Imitation. Er mußte
ihn hier versteckt haben, als die Enkelkinder zu Besuch waren,
vermutlich, damit diese nicht damit rumspielten und sich daran
nicht verletzten. Aber die Kinder waren doch schon vierzehn und
sechzehn Jahre alt, oder warf sie da jetzt was durcheinander?
Nein, das konnte nicht sein, sie mußten noch ganz klein sein,
ihre eigene Tochter war ja auch erst sechzehn und spielte
draußen auf dem Hof Kästchen hüpfen. Sie befühlte die Klinge
des Dolches. Sie war grünlich braun angelaufen und vollkommen
stumpf.Ob Fred ihn anstelle des Tränengases hierhin gelegt
hatte? Hielt er ihn für sicherer? Tränengas konnte einem bei
Gegenwind ins eigene Gesicht gepustet werden, das war nicht
ungefährlich. Warum auch immer der Dolch hier lag - sie könnte
damit dem Mörder die Klinge quer über den Hals ziehen.
Hoffentlich bekam nur die Tapete nichts ab, die sah noch ganz
propper aus. Ob man dafür ins Gefängnis kam? Du sollst nicht
töten! hatte der Pastor gepredigt, als sie das letzte Mal in der
Kirche gewesen war. Wie lange war das überhaupt schon her?
Vorgestern mußte das gewesen
sein, überlegte sie, während sie mit der freien Hand weiter
nach dem schützenden Gas tastete. Vorgestern? Jedenfalls einen
Tag, bevor ihre Enkelkinder getauft worden waren, daran konnte
sie sich erinnern. In der Kirche war sie gewesen und danach hatte
sie dem Friedhofsgärtner zugesehen, wie er einen
Rhododendronbusch auf Freds Grab eingepflanzt hatte. Das Grab
sollte schön aussehen zur Taufe. Endlich spürte sie das kühle
Metallfläschchen. Sie zog es heraus und betrachtete den
Sprühknopf, als sie den Meuchelmörder bereits an der
Wohnungstür hantieren hörte. Der Dolch störte beim
sorgfältigen Plazieren des Fingers auf dem Sprühkopf. Sie
steckte ihn in die Tasche des Bademantels. Ob der Finger so
richtig lag? Hoffentlich klemmte der Knopf nicht im
entscheidenden Moment, so, wie er das oft bei der
Haarsprachflasche tat.
Himmel! Und daß Fred gerade
heute wieder mit ihren Schluffen im Garten unterwegs war. Eiskalt
fühlten sich bereits ihre Füße an. Im Schloß knackte es.
Gleich würde der Drecksack da draußen hier eindringen um ihr
alles zu rauben, wofür sie geschuftet hatte. Wenn sie sich ihm
dann in den Weg stellte ... Vielleicht sollte sie sich lieber ins
Bett legen und schlafend stellen? Bei Aktenzeichen soundso hatten
sie das empfohlen, weil relativ harmlose Einbrecher oft brutal
wurden, wenn man sie entdeckte. Zum Schluß vergewaltigten und
erdrosselten sie oft ihre Opfer, wenn sie auf frischer Tat
ertappt wurden. Im Krieg hatten die Russen die Frauen reihenweise
vergewaltigt. Kommt nicht in Frage, Helga, sagte ihre innere
Stimme. Bis auf's Blut wirst du dein Hab und Gut verteidigen.
Entschlossen und ängstlich schlich sie zur Haustüre. Gleich!
Gleich würde sie aufgehen und sie sähe dem Meuchelmörder in
sein überraschtes Gesicht. Er würde nicht erwarten, daß sie,
die alte, wehrlose Frau, verteidigungsbereit hier stünde. Immer
noch den Zeigefinger auf dem Sprühknopf streckte sie den Arm in
Höhe ihres eigenen Gesichts Richtung Türspalt. Als das
Türblatt nach einem knarzenden Geräusch aus dem Schlüsselloch
aufschwang, drückte sie ab.
Mit einem leisen pffft entwich
das bißchen Treibgas, daß sich über die vergangenen Jahrzehnte
im Fläschchen hatte halten können. Überrascht schaute Regina
ihre Mutter an.
"Tag Mutter! Hast du das Ding in Papas altem Bademantel
gefunden? Ich dachte, das alte Mövchen hätte ich vor zwanzig
Jahren, bei Papas Tod, in die Altkleidersammlung gesteckt. Und
was hast du da in der Hand?" Regine umfaßte das kleine
Sprühfläschchen und las.
"Sprühfähig bis mindestens 09/ 78."
"Das Scheißding funktioniert nicht!", beschwerte sich
Helga.
"Kein Wunder, das ist seit beinahe einundzwanzig Jahren
um", stellte Regina belustigt fest. "Hattest du vor,
mich damit zu umnebeln?"
"Im Hausflur war ein Einbrecher und Papa ist mit meinen
Pantoffeln hinten im Garten um seinen Salat zu gießen."
"Mutter! Papa ist seit
zwei Jahrzehnten tot und kann ergo weder mit deinen Pantoffeln
unterwegs sein, noch Salatköpfe kontrollieren. Im übrigen hast
du keinen Garten mehr. Dies ist eine Seniorenwohnung. Du kannst
dir
jederzeit Hilfe herbeiklingeln, wenn dir was fehlt."
"Das einzige was mir fehlt ist mein Fred. Kann ich den auch
herbeiklingeln?", Helgas Ton war aggressiv geworden.
"Den ganzen Tag bin ich allein, nichts finde ich wieder.
Alles habt ihr mir weggenommen. Eben habe ich sogar eine
Pampelmuse im Garderobenschrank gefunden. Ich mag es nicht, wenn
ihr in meinen Sachen rumstöbert. Kannst du mir erklären, warum
du meine Pampelmusen versteckst?"
"Ich verstecke überhaupt nichts, Mutter! Und in deinen
Sachen stöbere ich schon gar nicht herum. Das Problem ist, daß
du verwirrt bist und alles durcheinanderbringst."
"Papperlapapp!", entfuhr es Helga. "Ich möchte,
daß du jetzt gehst! Du warst lange genug hier. Ich bin jetzt
müde und möchte mich etwas ausruhen."
"Aber ich bin doch gerade erst zur Tür herein
gekommen", entgegnete Regina.
"Ich möchte allein sein. Papa kommt auch gleich und möchte
in Ruhe die Nachrichten gucken. Du kannst so lange auf dem Hof
spielen gehen." Helga öffnete die Tür, schob sanft ihre
Tochter in Richtung Ausgang und schloß hinter ihr die Tür.
Verwirrt blieb Regina einen Moment im kalten Hausflur stehen.
Welten lagen zwischen ihr und ihrer Mutter. Welten, die
schmerzten und zu deren Auflösung sie dennoch nicht den
Schlüssel in Händen hielt. An der kleinen Rezeption im
Erdgeschoß setzte Regina die diensthabende Altenpflegerin von
den Einbruchsbefürchtungen ihrer Mutter in Kenntnis. "Es
wäre gut für ihre Frau Mutter, wenn sie sie etwas länger
besuchen könnten", sagte die Pflegerin.
"Ja. Sicher!" nickte Regina resigniert und wandte sich
zum Gehen, während ihre Mutter auf der ersten Etage eine Flasche
Bier öffnete und diese samt der Morgenzeitung auf dem
Wohnzimmertisch plazierte. Dann schlurfte sie zurück in die
Küche und bereitete eine Holzplatte mit Käseschnittchen vor.
"Du hast bestimmt Hunger, wenn du nach Hause kommst, nicht
wahr Fred?",
fragte sie in Stille, die nur vom Quietschen des Messers auf dem
Plastik der Margarinepackung unterbrochen wurde.
"Ich freue mich auf deine Pensionierung, Fred. Dann bin ich
nicht mehr die endlosen Tage allein, die du unterwegs bist,
weißt du. Ich denke, ich bin viel zu viel in meinem Leben allein
gewesen."
| zurück zur Startseite Kehricht | zurück an den Anfang |
| zur neuesten 'Volksfest' - Ausgabe | zum Autor |
Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 7.April 1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten