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| Marion Lange | Der Meerscheinchenflüsterer |
Das H
Wahre Geschichten, aus denen Bestseller wurden
Folge 9: Der Meerschweinchenflüsterer von Nikolaus Epunkt
Es war ein grauer Wintermorgen. Anstelle des sonst üblichen Matschschnees fiel mäßig kalter, nicht kristallisierungsgefährdeter Nieselregen auf den trostlos erscheinenden Asphalt. Feuchte Kälte kroch den vermummelt vorbeihuschenden Hausfrauen in die Nylonstrümpfe und die Nässe sog sich in das Einwickelpapier um die Brote in ihren Einkaufskörbchen.
Im schweinchenrosa gestrichenen Häuserblock der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft wackelte rhythmisch eine Gardine. Hätte jemand aus der näheren Nachbarschaft sich der Mühe unterzogen herauszufinden, wodurch dieses doch eigentlich ungewöhnliche Verhalten einer normalerweise still vor sich hin hängenden Gardine verursacht worden wäre: er hätte Hector erspäht - und eine Warnung an Familie Epunkt, ihres Zeichens Eigentümer der unsachgemäß zuckenden Fensterbekleidung - verlauten lassen können. So jedoch nahm das Schicksal vorerst unbemerkt seinen Lauf.
Hinter unserer Gardine also, aber was heißt hinter? AN! AN unserer Gardine hing Hector! Er pendelte aufgrund seines nicht unerheblichen Gewichts sowie seiner verzweifelt ausgeführten Paddelbewegungen in gleichmäßigem Tempo von links nach rechts und wieder zurück von rechts nach links. Zwischen den Ausschlägen streifte er die auf der Fensterbank stehende Aralie und drohte, sechs ihrer überdimensionierten Blätter durch die rohe Gewalt seiner sinnlosen Strampelei zu zerstören. Auch das sollte Folgen haben, denn die Aralie war der ganze Stolz seiner Familie, bereits in zweiter Generation vererbt und mit den sechs Blättern knickte der Zuchterfolg der letzten vier Jahre.
Doch zurück zu Hector: Fest in die Gardine verbissen, vermochte er nicht um Hilfe zu rufen, um auf seine mißliche Lage aufmerksam zu machen. Nur ein viel zu leises, panisches Pfeifen entrang sich seiner Kehle, doch war dieses nicht durchdringend genug, um die laut palavernd und schmatzend am Mittagstisch sitzende Familie Epunkt auf sein Mißgeschick aufmerksam zu machen. Hector konnte nicht mehr. Seine Kiefermuskulatur schmerzte, seine Beine ebenso. So sehr hatte er sich abgerackert, um sich aus seiner Misere zu befreien, daß ihm nun keine Kraft für weitere verzweifelte Versuche blieb. Unvermittelt stellte er alle Bewegungen ein. Die Pendelausschläge seines birnenförmigen Körpers wurden schwächer ... und schwächer ... und schwächer ... bis Hector zwischen Blatt vier und Blatt fünf der Familienaralie zum Stillstand kam.
Nachdem Nikolaus den dritten Teller Kartoffelpürree mit Sauerkraut und Pfefferbeißern verzehrt hatte, erhob er sich vom Tisch und begab sich ins Wohnzimmer. Die erhabene Standuhr in der Diele schlug ein Viertel nach Zwölf: Zeit für Nikolaus, sich zu verdrücken, sah er sich doch anderenfalls gezwungen, am täglichen small talk teilzunehmen. Er haßte diese Stunde in der seine Mutter Berta gnadenlos und ohne Rücksicht auf eventuell vorhandene Vokabelkenntnislücken die ausschließliche Pflege der englischen Sprache forderte.
Lieber zappte er ein wenig durch die Kanäle, blieb - gewohnheitsmäßig - bei Vera versaut den Mittag hängen und erledigte unter derart belustigender, leichter TV-Schonkost seine Schulaufgaben.
"Are you tired?" quäkte Berta Epunkt hinter ihrem Großen her.
"A little bit," bestätigte der ordnungsgemäß und war entlassen, da es seiner Mutter nur logisch schien, daß nach derart extremer partieller Belastung des Magen-Darm-Traktes alle übrigen Körperfunktionen auf Notstrom geschaltet wurden. Nikolaus plazierte sich vor dem kostbaren Wohnzimmertisch - einer von seinem Vater erschaffenen Kreation in Form eines Aralienblattes, dessen Fuß zu klein geraten war und der somit stets Gefahr lief, bei der geringsten Belastung aus dem Gleichgewicht zu geraten - griff seine Schulmappe und ...
"Melli, Hector probt Suizid!"
"WAS ist los?"
"Im Klartext: deine Sau hängt sich gerade in der Gardine auf."
"Verarsch mich gefälligst nicht, du blöder Sack!" entgegnete Melli.
"Please, say it in English!" streute Berta ein und schaute gestreng und mit gespitztem Mäulchen.
"O.k. mom: Melli, your guinea-pig commits suicide,"
"Dear god!", schrie Melli, stürmte am Aralienblatt-Tisch vorbei, nicht ohne diesen in bedenkliche Rotation zu versetzen, stürzte weiter zur Gardine und starrte paralysiert auf das leblos baumelnde Schwein.
"Verlaufsform! Wenn etwas gerade geschieht: Verlaufsform bitte. ...is committing suicide!" korrigierte staubsaugergedröhnbegleitet Berta.
Der Aralienblatt-Tisch drehte sich bereits langsamer, begann zu quietschen und lief, einem Brummkreisel gleich, in eierförmigen Bewegungen aus, ehe er mit einem hölzern klingenden rottt ...rottt ...rottt zum Erliegen kam.
Melli glotzte immer noch bewegungslos. Es dauerte einen Moment, ehe sie sich wieder fähig fühlte, sich zu artikulieren und Nikolaus anbrüllte: "Do something!"
"Und was? fragte der lakonisch zurück.
"Irgendwas!" flehte Melli.
"Sieht aber schon ziemlich hin aus," bemerkte Nikolaus kritisch. "Mein Vorschlag läuft mehr in Richtung: gut würzen, Tonpackung und ab in den Backofen. Soll lecker schmecken, glaubt man den Peruanern."
"Say it in English! Please!" bettelte Bertas enttäuschte Stimme zwischen Geschirrgeklapper aus der Küche. "You know: it's small talk time."
"Ach, fuck you!" blökte Melli zurück. Ihre Stimme überschlug sich dabei. " Meine Sau kratzt ab, Nikolaus denkt nur ans Fressen und du hast nichts besseres zu tun, als small talk zu kultivieren. Du kannst mich mal, du altes verkalktes Schaf."
Berta entglitt ob des Ausspruchs ihrer Tochter der Topf, in welchem sie das Sauerkraut familientraditionsgemäß mit einer Zwiebel, einem geriebenen Apfel und einem Lorbeerblatt bereitet hatte. "Muß mich verhört haben," beruhigte sie sich. Sie griff zur CLEAN-EX Rolle, um das saure Gekräusel von ihrem italienischen Marmorboden zu entsorgen. Doch mit einem Wisch war beinahe nichts weg, weshalb sie sich erneut aufrichtete und ein weiteres Exemplar der überteuerten Zellulose zupfte. "Muß mich wirklich verhört haben", raunte sie sich erneut zu und fügte laut, deutlich ein "Say it again, please!" an. Mitten im please, genau bei pli, stach ihr
"Kentucky schreit FIK-KEN," messerscharf und hart wie Kruppstahl ins Gehör. Auf diese Gelegenheit hatte Nikolaus schon lange gewartet. Gröhlen, wie einem der Schnabel gewachsen war. "Apocalypse now!" schrie er. Und "Hectorcalypse!" "I got it bad. You don't know how bad I got it", sang er und trommelte den Takt heftig mit den Zeigefingern auf den darniederliegenden Aralientisch-Fuß. Vor Entsetzen glitt Berta auf dem Apfelmusanteil des nicht mit einem Wisch weggewischten Sauerkrauts aus und hyperventilierte. Das alles hier geschah nicht! So etwas gab es nicht! Allerdings irritierte der recht heftige Schmerz des ausgekugelten Oberschenkelhalses sie derart, daß sie einen durchdringenden Schrei nicht unterdrücken konnte.
Scheinbar blind und taub gegen das ihn umgebende menschliche und tierische Drama outete Nikolaus munter weiter seine geheimsten Wünsche. "Check in to another world!" johlte er. "Und was ich dir schon lange sagen wollte, Mom: ich war nicht fünfmal in dieser Schmalzoper Titanic sondern fünfmal in From dust till dawn" und soll ich dir noch was sagen? Es war der affentittengeiste Film, den ich je gesehen habe. Sowas wie Die Sünderin der Neuzeit, nur nicht mit dieser aufgetrennten und neu zusammengenähten Knef in der Hauptrolle." Bertas Schrei verebbte in der Woge ihres Entsetzens.
Ungeachtet des Tohuwabohus und wie in Trance riß Melli die unterste Schublade des Sekretärs auf, griff nach der Schneiderschere, raffte den feinen Gardinenstoff zusammen und schnitt Hector vom Galgen. Vorsichtig plazierte sie das unter Schock stehende Tier auf's Bett und suchte, die Stoffreste aus seinen Gebiss zu entfernen. Hector urinierte auf die mit Aralienblättern bestickte Tagesdecke.
"Beweg dich!" Sie schubste das tropfenförmige Hinterteil des Meerschweins an. "Los Hector!"
Hector dachte nicht daran, sich zu bewegen. Bewegung hatte er genug genossen. Er war heilfroh, seine vier Pfoten wieder auf halbwegs sicherem Boden zu spüren. Melli bohrte erneut ihren Zeigefinger in sein weiches Hinterteil. "Los! Lauf!"
Immer noch nichts.
Melli beugte ihr Gesicht nah, ganz nah herunter zu Hector. So nah, daß seine Schneidezähne in ihrem Blickfeld zu einem verschmolzen und aussahen, als handele es sich um das Auge eines Zyklopen.
Hatte das Schwein sich auf die Zunge gebissen? Die hing doch eindeutig seitlich schief, oder? Melli stand auf und holte die Lupe mit der kleinen Feststeckklammer. Vater nutzte dieses optische Wunderwerk stets beim Lesen seiner Männermagazine, um wichtige Einzelheiten der Abbildungen detailgetreuer studieren zu können. Hatte sie's doch gewußt: die Zunge war gebrochen! Melli legte das Vergrößerungsgerät beiseite und drückte ihr Gesicht in das zottelige Fell des Tieres. "Mein armer Hector. Meine kleine, geliebte Sau. Sag was! Sprich zu Mellimami. Los jetzt! Du darfst nicht sterben. Beweg dich! Tu irgendwas!"
Gehorsam rammte Hector in einer blitzschnellen Bewegung seine beiden tiefgelben Nagezähne in Mellis Nasenspitze. Melli schrie auf und weiter wie am Spieß. Blut tropfte auf das kleinere Aralienblatt neben dem vollgepinkelten. In ihrem Schmerz packte Melli das gehorsame Tierchen mit beiden Händen und zog, was das Zeug hielt, um es von der malträtierten Nasenspitze zu entfernen. Unter dem panischen Druck ihrer Hände begann das Tier verzweifelt zu pfeifen, doch seine Zähne saßen unwiderruflich fest.
In der Notambulanz des Krankenhauses wies man den beiden schicksalhaft miteinander verbundenen Kreaturen Platz drei der Warteliste zu. Im Klartext bedeutete das fünfunddreißig Minuten. Fünfunddreißig Minuten, in denen Melli sich mit einem in ihrer Nase verbissenen Meerschwein dem schadenfrohen, unverhohlenen Gelächter der anderen Versehrten aussetzen mußte. "Es könnte schlimmer kommen", dachte Melli. Und es kam schlimmer!
Doktor Pia Donata Schlächter war eine resolute Brünette in den Dreißigern. Breite, silbrige Strähnen durchzogen ihre an einen Pudel mit Standardschur erinnernde Dauerwelle und eine ausgefranste, dickwulstige Narbe kreuzte gangrän-grau - gleich einer auf Putz verlegten Leitung - ihre rechte Augenbraue, passierte die Wange und endete in der Oberlippe. "Bin während des Praktikums in der Pathologie beim Sezieren abgerutscht", war alles, was Oberschwester Gerlinde bezüglich des markanten Mals ihrer Chefin hatte recherchieren können. Fragenden Patienten gegenüber zog sie, um das Vertrauensverhältnis Arzt/Patient nicht über Gebühr zu strapazieren, die Version vom Autounfall mit Gesicht in der Scheibe vor.
Pia Donata streckte knackend die lahmen Finger, sank auf die Krankenliege und sehnte den Feierabend herbei.
"Wieviele noch?" Ihr Blick klebte trübe auf Oberschwester Gerlinde.
"Zwei! Eine Bißverletzung und ein Meerschweinchen mit Schocksyndrom."
"Meerschwein? Pia Donata schüttelte den Kopf. "Die Leute werden immer bekloppter mit ihren Viechern. Hol mir den Biß, Gerli-Schatz, und schick die Verrückte mit dem Nager zum Veterinär."
"Geht nicht!" Gerlinde grinste. "Die Verrückte mit dem Nager ist der Biß. Die zwei hängen aneinander wie siamesische Zwillinge."
"Du meinst ...? Du meinst ... der Nager nagt noch?" Erwartungsfrohes Entzücken reanimierte Pia Donatas seit Stunden im Koma liegende Konzentrationsfähigkeit. "Dann los, Gerli-Schatz, schick sie rein!"
Vorsichtig tastend betrat Melli das Behandlungszimmer. Jede unbedachte Bewegung ließ Hector erneut baumeln und verursachte Melli das Gefühl, bei lebendigem Leibe skalpiert zu werden. Ohne weitere Aufforderung setzte sie sich auf die Krankenliege.
Pia Donata stellte sich knapp vor und begab sich unverzüglich ans Werk, indem sie ein kleines Gestell auf ihrem Kopf zurechtrückte und in dessen Licht - es mußte sich um so was wie eine Grubenlampe handeln - das Schwein betrachtete. "Wie heißt sie?" erkundigte sich die ramponierte Göttin in weiß.
"In unserer Familie nennen wir sie nur Nasen!" röchelte Melli unter ihrem gewaltigen Piercing. Dieser weibliche Frankenstein mit Reißverschluß im Gesicht mußte echt 'nen Sockenschuß haben: gab Nasen Namen - unglaublich!
"Ich meine die trächtige Dame der Gattung Cavia", korrigierte die Chirurgin. "Ich verstehe was von Meerschweinchen. Züchte selber. Allerdings solche der Gattung Galea musteloides, auch Wieselmeerschweinchen genannt. Das hier", sie stupste den Nager an, so daß er erneut in Schwingung geriet, "das ist ein Cavia, gehört also zur Unterordnung Caviomorpha aus der Familie Caviidae und der Unterfamilie Caviinae. Und es ist, wie schon gesagt, trächtig." Ohne nochmals nach Hectors Namen zu fragen, wandte sie den Blick ab und zog eine Schublade mit diversen Marterinstrumenten auf. "Und nun runter mit der Hose! Jetzt gibt's was in die Bollen." Pia Donata zog eine Tetanusspritze auf und jagte sie, ohne lange zu fackeln, in Mellis Hintern.
Es war entwürdigend: mit dem von einer Oberschwester gehaltenen Schwein in der Nase und herabgelassener Hose präsentierte Melli einer injektionsberechtigten Schweinezüchterin ihr Hinterteil, um sich dort durchlöchern zu lassen. Wenn das nicht das perfekte Szenario für die Entwicklung eines Traumas bot, was dann?
Sechs Wochen waren seit dem tragischen Unfall verstrichen. Wochen, in denen die oberflächlichen Wunden der Beteiligten abgeheilt waren. Geblieben waren jedoch Narben. Narben, die nicht nur eine amputierte Nasenspitze krönten, sondern auch solche seelischer Art. Melli mied das einst geliebte Meerschweinchen wie die Pest. Nicht einmal seine tägliche Futterration war sie bereit, zu reichen. Und mehr noch: ihr einst so lebenslustiges, fröhliches Wesen war ausgezogen, um tiefer Mattigkeit und mürrischer Wortkargheit das Feld zu überlassen. Berta small talkte seit dem Vorfall kein Wort englisch und Hector, der Verursacher dieses emotionalen Familiendramas und dereinst possierliches Streichel- und Schmuseschwein, mutierte zur angriffslustigen, Zähne wetzenden Wildsau. Einzig Nikolaus Epunkt blieb, wie er war, nur diesmal, ohne seine scharfsinnigen Analysen zum Besten zu geben.
Berta saß mit hängenden Schultern und Papilotten unter der Haube des örtlichen Friseurmeisters und wartete ungeduldig darauf, endlich trocken zu werden.
"Wasn los mit Ihnen, Frau Epunkt?" erkundigte sich der sensible, stets mitfühlende Figaro. "Sehn so mitgenommen aus."
"Ach, " Berta schluchzte, "fragen sie nicht."
Der Figaro schwieg.
"Unser Leben ist verpfuscht. Seit dem Schicksalsschlag ...", sie sprach stets nur von dem Schicksalsschlag, wenn sie sich gezwungen sah, sich mit dem unglaublichen Vorfall auseinanderzusetzen, "also seit dem Schicksalsschlag bröckelt unsere Familie auseinander. Nicht nur, daß alles, woran unser Herz hing, vernichtet ist. Nein! Melli und Hector sind seit dem Schicksalsschlag psychisch am Ende.
Der Figaro runzelte die Stirn und dachte nach. Unvermittelt leuchteten seine Gesichtszüge in zartem Pastell. Er beugte sich zu Bertas Ohr - zu diesem Ohr, an dem er zu gerne einmal sanft geknabbert hätte - er checkte mit kurzem Seitenblick die Vorwitzige, frisch Ondulierte zu seiner Rechten und flüsterte verschwörerisch: "Ein Flüsterer muß her."
An dieser Stelle endet die unserem Bestseller zugrunde liegende Wahre Geschichte, oder besser: im wahren Leben geschah von nun an nichts zu literarischer Bestsellererstellung geeignetes mehr. Nikolaus' Schwester blieb mürrisch, heiratete neun Jahre später einen wortkargen, passionierten Angler über den sie beinahe unbemerkt wieder einen innigen Bezug zu Tieren herstellte (wenn auch nur zu Fisch und nur zu totem) und gebar zwei gesunde Kinder. Hector ging in Nikolaus' Besitz über, wurde in Hectorine umgetauft, gebar sechs winzige Junge, welche an die örtliche Zoohandlung verschenkt wurden und verstarb ein halbes Jahr später haarlos und mit eiternden Stellen übersät an Meerschweinchenräude. Nikolaus' Vater reparierte zum x-ten, jedoch nicht letzten Mal den Aralienblatt-Tisch, stutzte das einstmals wuchernde Aralienerbstück gezwungenermaßen auf drei mickrige Blätter zurück und entwickelte aus den Erfahrungen der Vergangenheit einen patentierten Aralienblatt-Knickschützer, Und Berta ergatterte einen Englishteacher-Job an der örtlichen Volkshochschule, der im Kursverzeichnis und zu ihrem ganzen Stolz mit small-talk-time for runaways angekündigt wurde.
Das war alles, was de realiter geschah. Das Leben ist halt banal.
Ach ja - unser Nikolaus, der unter die Schreiberlinge gegangen war, um seine scharfsinnigen Analysen doch noch los zu werden, mußte sich für die zweite Hälfte seines Buches natürlich viel mehr abstrampeln als für die erste, da er für sie nicht mehr auf Geschichten, die das Leben schrieb, zückgreifen konnte.
... und nächsten Sonntag um dieselbe Zeit hören Sie aus unserer Serie
Wahre Geschichten, aus denen Bestseller wurden
Folge 10: Der Seelenverkäufer
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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 26.April 1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten