Kehricht

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Marion Lange U - wie unterschiedlich

Das Hochzeitsge

Die beiden Gestalten auf den beiden Sofas regten sich nicht. Jeder von ihnen schien in sich zusammengesunken. Jeder von ihnen stierte sein eigenes Loch in seinen eigenen Teil des hölzernen Fußbodens.

"Ich kann nicht mehr", sagte er tonlos und starrte weiter auf dieselbe Stelle.

Dieser Kratzer dort: er besaß die Form eines u. Das war ihm bisher nie aufgefallen. U - wie Untergang, dachte er. Weitere Wörter fielen ihm vorerst nicht ein und so rankten sich seine Gedanken weiter um das eine Wort.

DER Untergang - ist männlich, dachte er.

"Maskulinum", verbesserte ihn sein Intellekt.

Wieso eigentlich maskulinum? IHR Untergang ist eindeutig weiblich. Weiblich? Quatsch! Weiblich sah sie inklusive Untergang momentan ganz und gar nicht aus. Eher schrecklich.

"Fe-mi-ni-num", hämmerte es aus der anderen Ecke seines Schädels mitten in seine Wortspielerei. "Du meinst femininum".

Sein Galgenhumor räusperte sich. Das tat er immer, bevor er zu sprechen beabsichtigte.

"Anhand der Fakten und mit unreflektierter, jedoch williger Unterstützung durch die Rechtschreibereformer ließe es sich möglichenfalls in "DIE Untergang" verändern. Oder besser Untergängin? Schließlich war sie diejenige die...., nicht wahr?"

Er schwamm oben auf. Die Engländer habens's leichter, sagten einfach the. The Untergang. Er grinste.

UNmoralisch.

Das u wuchs.

Ein UNmoralisches Angebot. Ja, das hatte sie ihm gemacht. Wobei: von ihrem Standpunkt aus war es nicht unmoralisch gewesen. Mehr von seinem. Denn er hatte es angenommen, obwohl er, nun ja, obwohl er verheiratet war mit IHR. Also eher eine UNmoralische Annahme.

Untergang der Institution Ehe durch ein UNmoralisches Angebot im URLaub durch URSUla. Das Spiel in seinem Kopf verselbständigte sich.

Das U wuchs weiter.

URINStinkte.

"Könnte Deine Tochter gemäß Rechtschreibereform sicherlich ungestraft trennen in

Urin-

stinkte",

kicherte sein Galgenhumor in seine Gesichtsmuskulatur.

"Wenn du mich verläßt, bringe ich mich um", antwortete sie seinen lächelfältchenummäntelten, tiefseeblauen Augen, wobei ihr messerscharfer Blick an ihm hochglitt und dabei die letzten zarten Bande zwischen ihnen endgültig zerschnitt.

"Paß auf, daß du dich dabei nicht zu stark verletzt", entgegnete er sachlich, griff während er sich erhob nach seinem Autoschlüssel, schritt zur Haustür, öffnete sie bedächtig und zog sie beinahe lautlos zU.

Sie blieb noch einen Augenaufschlag lang hocken, begab sich dann in die Küche, öffnete den Wasserhahn mit dem roten Punkt, drückte auf die verschmierte, demolierte PRIL-Flasche bis ein viel zu kräftiger Spritzer des Mittels sich ins Wasser versenkte und Schaumberge erschuf und begann abzuspülen. Tränen rannen über ihr Gesicht. Und während sie den Blick himmelwärts richtete und dabei "Oh Gott! Ich bin so unendlich unglücklich" schluchzte, schloß er draußen auf dem Parkplatz den Wagen auf und warf einen kurzen Blick in denselben Himmel.

UNIVERsum

fiel ihm dabei ein.

Er würde heute mit

URSULA im UNENDLICHEN UNIVERSUM

UNTERTAUCHEN, sie würden mit den Sternen segeln und UEBERGLÜCKLICH sein.

chenk

 

 

 

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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 26.April 1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten