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Fragen |
| |
Dorian
Ferrarius |
| |
|
| |
Ohne
mich? |
| |
Mein
Leben? |
| |
Langes
Zögern? |
| |
Mürrisches
zu erleben? |
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Erheiternd? |
| |
Es
ist ein Prozeß. |
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Kaum
abschließbar |
| |
Banner
der Freude |
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Bis
ich brach |
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Frei
zu sein? |
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Sind
alle gleich? |
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Geht
es oder ging es? |
| |
Du
lernst nie aus |
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Denn auch
der Schmied |
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Schafft
es nicht immer |
| |
|
| |
Wer? |
| |
Ein
Lachen? |
| |
Ein
Lächeln. |
| |
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Die
Sonne blüht, aber scheint nicht |
| |
Des
Falters Freude ist mein Untergang |
| |
Herr
meines individuellen Universums |
| |
Herr
alller meiner Welten |
| |
Jeder
ist selbst seines Todes Schmied. |
| |
|
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1. Akt |
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1.
Ansage: |
| |
Ein
Wohnzimmer der 90er Jahre. Es ist Abend, kurz vor
Mitternacht. |
| |
|
| |
Madelaine. Dorian. |
| Dorian: |
Ich
glaube, ich habe größere Angst vorm Altar als vor
Sterben. |
| Madelaine: |
verwirrt,
fast ängstlich Was? |
| Dorian: |
Ich
sagte, daß ich größere Angst vorm Altar habe als vor
dem Tod. |
| Madalaine: |
gefaßt
Ist das deine neue
Lebensphilosophie? Wohl eher Sterbensphilosophie. Di
wirst mir immer unheimlicher. |
| Dorian: |
abwesend
oder auf seine Weise unaufmerksam Unheimlich?
Du verkennst die Worte, aber lassen wir das, du bist du. |
| Madelaine: |
Ich
bin ich, hör aus, du kannst es nicht ändern. |
| Dorian |
Ich
will es nicht änder, ich bin ich. |
| Madelaine |
beim
Verlassen des Wohnzimmers Ein Lachen. ein
Lächeln, die Sonne blüht, des Falters Freude ist mein
Untergang. Ein Mann, ein Idiot. denkend Was
sind dasnur für Leute - Lyriker. Ich sollte ein Buch
darüber schreiben. Pause Ich
hasse sarkasmus. |
| Dorian |
ohne
den Weggang zu beachten Tue ich es, weil ich
es tun muß, oder muß ich es tun, weil ich es
bin?Vielleicht eine gute Zeile. Es ist wohl vorbei. Fremd
- alles ist fremd, ist das Vertraute nicht gleichzeitig,
der Fremdkörper schlechthin? Große Worte. Ein
Meisterstück, aber nur ein Stück des meisters. Morgen,
gleich dann. Es wird, es wächst. |
| |
2.Ansage |
| |
Der
nächste Tag ist angebrochen. Madelaine ist aus dem Haus.
Dorian sitzt am Schreibtisch. der Schreibtisch ist groß,
aber fast kahl. Eine Zigarettenschachtel, ein
Aschenbecher, vierzig, vielleicht fünfzig Blätter
Papier, ein Kugelschreiber und Dorians Gedanken, sind die
einzigen Gedanken, die ihn bedecken. |
| |
Dorian |
| Dorian: |
in
sich gekehrt Es wird, es wächst.
Fremdkörper, wie sol ich es ihr nur sagen, wie soll ich
es mir nur sagen. Bin ich der Fremdkörper? Es geht nicht
im mich, mein Werk. Bin ich mein Werk? Geht es also doch
um mich? Ichbin mir selbst fremd. Unheimlich - so hat sie
es ausgedrückt. Lohnt es sich? Bin ich mürrisch? Ist es
erheiternd, mürrisches zu erleben? Bringt eine negative
Basis eher Objektivität? Ich muß, ich muß es zu Ende
bringen, mein Werk. Ich bin doch erst am Anfang. Es ist
ein prozeß, kaum abschließbar. |
| |
|
| |
Interview mit Prometheus |
| Wer
nicht fähig ist anzufangen? |
|
| |
Wird
nie berechtigt sein |
| |
Das
Ende zu erleben |
| Was
ist zwischen Anfang und Ende? |
|
| |
Leere,
die auf Erfüllung hofft. |
| |
Das
Leben ist wie eine Liste von Aufgaben |
| |
Prioritäten
sind seine Lösungsversuche. |
| Bewußtsein
als Maßstab |
|
| |
Die
Frage nach der Erweiterung - |
| |
Hat
jeder selbst zu beantworten. |
| Wachsamkeit
als Maßstab? |
|
| |
Die
Frage, nach welchem Organ - |
| |
Het
jeder selbst zu beantworten. |
| Gibt
es ein erweiterndes Organ? |
|
| |
Es
gibt keine Formel zur |
| |
Flächenberechnung |
| |
Des
Lebens |
| Ich
danke dir, Prometheus! |
|
| |
|
| Dorian: |
Ein
weiteres Stück, wieviel sind es noch, im Puzzle meines
Lebens? Ich sehe das Ziel nicht. Aber ich habe es doch
gerade noch gesagt. Warum nur kann er s nicht umsetzen.
Herrgott. Jeder Idiot kann sich Ziele setzen. Es ist
keine Kunst, also bin ich kein Künstler. Ich will es
sein. Ich bin es. Ich denke, also bin ich. Ich weiß
alles, was ich wissen muß. Ich muß wissen, was ich
alles weiß. Und dann noch das. Ein Leben ohne mich, aber
ich weiß es doch. Ich kann, also lebe ich. Worte, nichts
als Worte. Taten machen das Wort lebendig. Mein Ziel,
liegt es vor mir oder habe ich es schon überschritten?
Vielleicht ist es ja Kunst, fähig zu sein, sich neue
Ziele zu setzen. Ich fange an, Ich denke, also bin ich.
Ich setze um, also werde ich. Morgen gleich dann. Ich
werde, ich wachse. |
| Madelain: |
steht
vor der Haustür, sucht in ihrer Tasche nach dem
Hausschlüssel, aber findet ihn nicht. Sie klingel. Wenig
später öffnet Dorian. Ich bin wieder da,
falls Du gemerkt hast, daß ich fort war. Ist irgend
etwas passiert, etwas außerhalb Deines
Schreibtischhorizonts? |
| Dorian: |
ist
sich nun sicher, fast erleichtert Es ist
nichts passiert. Es hat sich nichts geändert. Das Nichts
wurde für nichtig erklärt. Bis morgen. |
| |
|
| |
3.Ansage |
| |
Es
ist früh am Morgen. Wochenende. Madelaine schläftnoch.
Dorian sitzt am Schreibtisch, der durch eine Kerze
ergänzt wurde, die die einzige Lichtquele darstelt. |
| Dorian: |
hellwach
Wenn der Meister ruht, ruht auch das Werk,
sein Werk, mein Werk. Die Begründung der Ruhe liegt in
mir slbst. Heute, gleich jetzt, des Wachstums wegen. Dorian geht ins
Schlafzimmer. Völlige Dunkelheit. Er weckt Madelaine
auf, bedient den Schalter der Nachttischlampe und sammelt
sich.
|
| Dorian: |
Es
ist pasiert, alles hat sich geändert. |
| Madelaine: |
verschlafen,
im Bewußtsein einer Träumerin Ja, Du mich
auch. Was willst Du von mir mitten in der Nacht? |
| Dorian: |
Ichverlasse
Dich, ich verlasse mich. Heute, gleich jetzt, des
Wachstums wegen. Des Falters Freude ist mein Untergang. |
| Madelaine: |
jetzt
wach, wütend, leer Und Du warst, bist und
bleibst mein Untergang. Ha! Verschwinde, ich wil Dich nie
wieder sehen. Du armer Poet! Ich hätte es wissen
müssen. Vergiß mich, ich flehe Dich an, ein
allerletztes mal. Vergiß meinen Namen, vergiß jee
einzelne Sekunde. |
| |
Die
laute Wohnzimmeruhr schlägt sechs. Dorain nimt seine
schwarze Ledertasche. Er beginnt sein Hab und Gut darin
zu verstauen. Er packt nur seine Blätter, seine
Zigaretten, seine Aschenbecher, seinen Kugelschreiber und
ein paar Kerzen hinein. Er denkt an Dinge. |
| Dorian: |
konzentriert
sich bis zum Narzißmus Den Schreibtisch,
Madelaine. Ich hole ihn ab, morgen, gleich dann. Laß
ihn, wie er ist, es ändert sich nichts, sonst passiert
es. |
| |
|
| |
4.Ansage |
| |
Dorian
wohnt nun allein. Den Schreibtisch hat er abgeholt. Er
hat soeben das letzte Gedicht seiner zweiten
Lyriksammlung fertiggestellt. 'Sellenpatriotismus'. Er
ist zufrieden mit seinem Werk. Morgen. gleich dann, wird
er 'Seelenpatriotismus' zu seinem Verleger schicken.
Dorian ist Madelaines Wunsch gefolgt, er hat sie
vergessen. |
| Dorian: |
mit
weitaufgerissenen Augen auf seinen Schreibtisch starrend Nun
ist mein zweites Werk vollendet. Doch auch dies ist nur
ein kleines Stück meines Lebenswerkes. Wie alt muß ich
werden? Ich fürchte mich vor dem Alter, mehr als vor dem
Tod. Ich schaffe es. Es wird, es wächst. Ich werde, ich
wachse. Das wird mein neues Thema sein. Dann schaffe ich
es. Es - das Werk meines Lebens, nämlich mich selbst.
Ich kann nichts vollenden, solange ich selbst unvollendet
bin. Man lernt nie aus. Das ist klug. Meine Welt. mein
Planet, mein individuelles Universum. ich werde Herr der
Welt, aller Welten, Herr aller meiner welten. Es darf
nicht fehlschlagen. Ich muß es vollenden, ich muß mich
vollenden. Das Alter zu besiegen, bevor es erschaffen
werden kann. Das ist des Falters Freude. Dann werde auch
ich mich freuen. Jeder ist selbst seines Todes Schmied. |
| |
|
| |
II.Akt |
| |
Exakt
ein Jahr ist vergangen. Bereits vor einem halben Jahr
beendete Dorian seine 3.Lyriksammlung namens
'Irreversible Abkehr des fahrplanmäßig als infinit
Erachteten oder Trennungen." Nun erwartet er die
Resonanz, nicht zuletzt seine eigene. Dorian sitzt am
Schreibtisch, der durch ein Telefon ergänzt wurde. Die
Wohnung ist kahl und wirkt verlassen, ganz gleich ob
Dorian da ist oder nicht. Es ist noch immer die gleiche
Wohnung, in die er umzog, direkt nach Trennung von
Madelaine. Das Telefon klingelt, Dorian hebt ab. Vom
anderen Ende spricht seinverleger. |
| Dorian |
aufgewühlt,
die Haare ständig mit der zitternden Hand durchwühlend Phantastereien |
| Verleger: |
Die
Resonanzder Kritiker ist zerreißend, die der Leser
tendiert gegen null. |
| Dorian: |
Aber
ich bin ich. |
| Verleger: |
Das
habe ich auch gelesen. Pause Passen
Sie sich an! Ansonten läuft ihr Vertrag aus, wenn er
ausl#uft. Habe ich das nicht schön gesagt. |
| Dorian |
nur
noch einen surrenden Ton des telefons vernehmend Anpasen?
Pause Ich? Woran? Bislang habe
ich immer versucht, mich an meine Werke anzupassen. Bin
ich tot? Oder fängt mein Leben erst jetzt an? Vor der
Geburt ist damit anzufangen. Ob Wissenschaft Wissen
schaft? Was habe ich nur getan? Verdammt! Es darf keine
Zeil zu viel sein. Das Gesamtkunstwerk! Zu
perfektionistisch? Vieleicht. Doch es ist und bleibt mein
Leben - mein leben bleibt mein Werk und vice versa oder
vice versa? Wenn ich nur so weit wäre. Schreit
Verdammt! Ich rede mit mir selbst. Ich denke
mit mir selbst. Alter ego! Das Rollenspiel, oh ja, ich
weiß es und ich weiß noch mehr. Ich bin es selbst. Ich
brauche jemanden an meiner Seite, der alles weiß, was
ich weiß, der so fühlt, wie ich fühle, so assoziert
wie, die selben Prioritäten setzt, wie ich - wie mich.
Ich kann dieses Aufbegehren nicht länger knebeln. Ich
brauche es, um denken zu können. Nennen wir das Kind
beim Namen - ein latenter Hang zur Schizophrenie. Ha! Ich
habe es ans Tageslicht geholt. Unbewußte Denkläufe
werden mir nun bewußt. Jetzt. Es wird, es wächst. |
| |
Erst
jetzt legt auch Dorian den Hörer auf die Gabel seines
fast antik wirkenden Wählscheibentelefons. Es ist nicht
die negative Resonanz auf seine Werke, die ihn so
verwirrend erscheinen lassen. Er steht reglos vor seinem
Schreibtisch, die Augen fast so weit geöffnet, wie sein
Mund. Tausende von gedanken scheinen ihm durch den Kopf
zu gehen, und doch sind es nur einzelne Gedanken, um die
sich alles drehen - Bin ich tot oder fängt mein Leben
erst jetzt an? Bin ich zu intelligent, um verrückt zu
werden oder dadurch prädestiniert? Durch etwas so
materielles wie den Ablauf eines Vertrages, zweifelt er
plötzlich an all seinen ideelen Werten, und unterziht er
sich selbst einer Psychoanalyse. Keiner
Hobby-Psychoanalyse, denn er ist viel lieber imGarten.
Seine Werke waren sein Vorbild. Seine Werke werden
verkannt. Dorian ist allein, so wie immer. Ist das
Vertraute nicht gleichzeitig der Fremkörper schlechthin? |
| |
|
| |
2.Ansage |
| |
Dorian ist in die
Bücherei gegangen. Er sucht nach Meisterwerken zu seiner
Orientierung. Zwölf Bücher sind es geworden. Immer noch
verwirrt und ungekämmt geht er zurück nach Hause, legt
die Bücher auf seinen Tisch und beginnt zu lesen. Er
hört nur ab und zu auf, um eine Weile zuschlafen.
Ernährt wird fast nur der Geist. Dorian sieht schlecht
aus. Abgemagert, blaß und müde. |
| |
|
| |
Dorian.
Herr Friedemann |
| Dorian: |
zitiert 'Ist
nicht das Leben an sich etwas Gutes, gleichviel, ob es
sich nun so für uns gestaltet, daß man es 'glücklich'
nennt? Johannes Friedemann fühlte das, und er liebte
auch das Leben.' Das ist klug. Der kleine Herr
Friedemann. Vielleicht bin ich noch nicht zu groß, um
auch ein kleiner Herr Friedemann zu sein. |
| |
Hastig fängt
Dorian an im telfonbuch zu blättern. Er wirkt aktiv, wie
schon lange nicht mehr. Die Lampe flackert. as Licht ist
aus. Dorian geht zur Haustür, um das Licht des Flurs zu
nutzen. Nach dem Auswechseln der Glübirne geht die Suche
weiter. |
| Dorian: |
nuschelnd Friedback,
Friedel, Friedels, Friedmann, ja euphorisch Friedemann.
Zwar nur Josef, aber vielleicht reicht es ja. |
| |
immer
euphorischer werdend, bedient Dorian die Wählscheibe des
Telefons. Es erfolgt das Freizeichen. |
| Herr
Friedemann: |
Ja,
Friedemann. |
| Dorian: |
erleichtert
und doch ängstlich Herr Friedemann? Ich bin
sehr kurze pause sehr
glücklich, daß ich sie gleich erreicht habe. |
| Herr
Friedemann: |
unsicher So
so. Um was geht es denn, wenn sie eines dieser dämlichen
Umfrageinstitute sind, dann - |
| Dorian |
unterbricht
ihn Nein, um Gottes Willen. Ich habe zwar
auch Fragen an sie, aber nichts für die Öffentlichkeit,
schon gar nicht für die Forschung. Großes Geheimnis. lächelt,
redet so schnell er kann, damit er nicht unterbrochen
wird, ohne dabei die Tonlage zu wechseln Also,
sind sie klein? Und lieben Sie das Leben? Ist das eben
nicht an sich etwas Gutes? Sind sie glücklich, wenn es
das überhaupt gibt? |
| Herr
Friedemann |
unbeherrscht Sind
sie wahnsinnig? Was wollen sie von mir? Steht meine
Nummer unter der eines Psychologen, oder was? Sie
Wahnsinniger! |
| |
Herr
Friedemann hat aufgelegt. Dorian rast vor Wut, seine
ausgeliehenen Bücher landen an der Wand, das Telefon an
einer anderen. 'Betrüger! Betrüger!', schreit er immer
wieder. |
| Dorian: |
sich
allmählich wieder beruhigend, keuchend Und
ist nicht doch jeer ein Meister? Ist es die Suche nach
dem Gebiet des Meisters nicht die einzige Kunst. Ich muß
der Erste sein, die Gebietsmeisterkunst, das Leben. |
| |
Dorian
verläßt die Wohnung. Er wird auch nie wieder in diese
zurückkehren. Er will seine Gedanken nicht länger
fesseln. Er will leben. Ist das nicht an sich etwas
gutes? |
| |
|
| |
III.Akt |
| |
Dorian.
Herr Consolo. Frau Consolo. |
| |
Dorian sitzt
in einem Café. Er denkt nach über Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Er findet keine Übereinstimmungen
un seinen Lebensabschnitten. Er hat schlichtweg keine
Ahnung, wie es mit ihm weitergehn soll. Ihm gegenüber
sitzt ein Mann und eine Frau, die weder glücklich, noch
unglücklich aussehen. Sie fragen Dorian, ob sie sich
kurz zu ihm setzen dürfen.Dorian nickt nu ängstlich. |
| Herr
Consolo: |
Entschuldigen
Sie, junger Mann. |
| Frau
Consolo: |
Aber sie
shen so mitgenommen aus. |
| Dorian: |
Ja, des
Falters Freude ist mein Untergang. |
| Herr
Consolo: |
ohne ihn
anzuschauen Das war aber sehr poetisch. |
| Frau
Consolo: |
zu ihrem Mann Aber
auch ein wenig depressiv, nicht wahr? |
| Dorian: |
auf den
Aschenbecher starrend Ich will doch nur Herr
aller meiner Welten sein. Wer sind sie? |
| Herr
Consolo: |
schüchtern
Oh Verzeihung. |
| Frau
Consolo: |
entschlossen,
dann gleichgültig Wir sind die Consolos.
Wir sind nicht wichtig. Wie sind sie? Oh, Pardon, wo
kommen sie denn her, wollte ich eigentlich fragen. |
| Dorian: |
zum ersten Mal
die Consolos anschauend Der erste Teil der
Frage gefiel mir besser. Ich bin es. Mein Beruf ist die
Lyrik. Die Lyrik bin ich, ich meine, ich bin meine Lyrik.
ich will es sein, ich bin erfolglos. Was wissen sie
schon, etwa woran ich mich anpassen könnte? Denn das
muß ich, sobst bleibe ich gestorben. Ich rede mit mir
selbst, müssen sie wissen. So denke ich. Wie denken sie
Pause darüber? |
| Herr
Consolo: |
Es ist,
wie meine Frau es gesagt hat. |
| Frau
Consolo: |
Ja, wir
sind nicht wichtig. |
| Dorian: |
hektisch, er
steckt sich eine Zigarette an, obwohl schon eine im
Aschenbecher liegt |
| |
Wie habe
sie es geschafft, nicht wichtig zu werden? |
| Herr
Consolo: |
entspannt,
fast gelangweilt wirlkend Wer um alles in
der Welt, will schon sein, wie wir es sind. |
| Dorian: |
zornig mit rot
angelaufenem Kopf Beantworten Sie meine
Frage! |
| Frau
Consolo: |
ruhig Ja
und nein. Ja, wenn man es möchte, nein, wenn man es
zwingt. Adieu. |
| Herr
Consolo: |
Es ist,
wie meine Frau es gesagt habt. Adieu. |
| |
|
| |
2.Ansage |
| |
Die Consolos
verlassen das Cafe. Dorian in noch größerer
Ratlosigkeit als vorher. Nach einer weiterern Stunde
weiß Dorian noch immer nicht, wo er die Consolos
einordnen soll. Das Café verläßt er nicht, bis zum
Ladenschluß. Seine Ratlosigkeit läßt ihm keine Ruhe.
Seine nächste Station ist der Bahnhof, am
Fahrkartenschalter. |
| |
|
| |
Dorian.
Bäcker |
| Dorian: |
ernst
Eine Fahrkarte in die nächste Welt. 1 Klasse und
Fensterplatz, bitte. Eine Welt, in der ich und ich
willkommen sind, bitte. |
| Bahnbeamter: |
unsicher
lächelnd Wie bitte? Pause,
jetzt sicherer erscheinend Nicht schlecht,
wie sie das so ernst sagen können. Bei solchen
Sachen,versaue ich immer die ganze Pointe, weil ich mich
einfachnicht beherrschen kann. Verstehen sie? Ich muß
schon immer vorher lachen. Aber ich habe sie durchschaut.
Dennoch, nicht schlecht. Respekt. Wohin soll denn die
Reise nun gehen? |
| Dorian: |
nur mit sich
selbst beschäftigt Das sagte ich bereits.
Sie haben wohl ein kleines individuelles Universum. Was
ist nun? Moment, noch eine Frage. Sind sie unwichtig? |
| Bahnbeamter: |
die Sicherheit
verlierend, bis zur Arroganz Und sie haben
wohl einen großen individuellen Schaden, wie? Wenn ich
unwichtiger sein soll als sie, dann fahre ich auch gerne
in die nächste Welt. Für heute ist geschlossen. Spinnen
sie woanders weiter. Guten Abend! |
| Dorian: |
unbewußt Guten
Abend! Sie haben mir mehr geholfen, als ich dachte. Pause.
der Bahnbeamte packt seine Utensilien in eine schwarze
Ledertasche und verläßt rasch den Bahnhof. Dorian
bleibt stehen und spricht weiter. Ich muß
einen unwichtigen Menschen suchen, von dem ich lernen
kann, wie man nicht wichtig wird. Wenn ich schon
niemanden finde, der alles weiß, was ich weiß, der so
fühlt, wie ich fühle, so assoziert wie, die selben
Prioritäten setzt, wieich, aber nicht ich bin, oder sagt
man jetzt ist, dannn will ich nicht länger wichtig sein.
Aber nicht Herr und Frau Café. Er hat den
Namen vergessen. Morgen gleich dann. |
| |
|
| |
3.Ansage |
| |
Dorian mietet
eine Pensionszimmer für eine Nacht. Er bleibt bis zum
Morgen des nächsten Tages, bezahlt und geht in die
Innenstadt, auf der Suche nach unwichtigen Menschen. An
einer Bäckerei bleibt Dorian stehen. Ohne weiter zu
überlegen, geht er hinein. |
| |
Dorian.
Bäcker. |
| Dorian: |
freundlich,
fast gut gelaunt Guten Morgen! |
| Bäcker: |
wie zu jedem
Kunden Guten Morgen, was darf es sein? |
| Dorian: |
schüchtern Oh,
nichts, was ihrem Handwerk entspricht. Nur eine Frage. |
| Bäcker: |
nüchtern Das
kostet ja bekanntlich nichts. |
| Dorian: |
wartet, bis
der Bäcker ausgeredet hat Um Gottes Willen,
nein, ich möchte mich nur mit ihren unwichtigsten
Angestellten unterhalten, nicht während der Arbeitszeit,
aber ich möchte es, ich darf es nur nicht zwingen. |
| Bäcker: |
verwundert
Also doch so ein Umfragebödsinn, ob er auch zufrieden
ist, wie ich ihn behandele und so. Das kennt man ja. Soverän,
nicht verteidigend Ich mag so etwas nicht,
glauben sie nicht, daß ich etwas zu verbergen hätte. So
wie sie aussehen, könnten sie eher ein kräftiges Roggen
vertragen. |
| Dorian: |
gelassen und
doch bettelnd Es geht hierbei eigentlich
viel mehr um mine Zufriedenheit. Ich verspreche ihnen, es
wird für sie keinerlei Konsequenzen haben. Sie bleiben
genauso wichtig, wie vorher. |
| Bäcker: |
Ich
verstehe sie zwar nicht, aber bitte sehr. Kommen sie nach
Ladenschluß noch einmal. ich werde ihnen mal etwas
Passendes heraussuche. Lacht |
| Dorian: |
dankbar Sie
wissen gar nicht, wie sie mir geholfen haben. Das ist
Klugjeit. Danke sehr! |
| |
|
| |
4.Ansage |
| |
Freundlich und
fast gut gelaunt verläßt Dorian den Bäckerladen und
wartet auf einer Parkbank auf den Landeschluß der
Bäckerei. Wenig später besuchen auch die Consolos den
Park. Sie begrüßen Dorian und bleiben kurz noch stehn,
um sich mit ihm zu unterhalten. Er weiß, mit wem er es
zu tun hat. |
| |
Dorian.
Herr Consolo. Frau Consolo. |
| Herr
Consolo: |
freundlich
Guten Tag. Das ist ja ein schöner Zufall. |
| Frau
Consolo: |
naiv Daß
wir Sie hier treffen, wer hätte das gedacht? Wo wir
gerade beim Thema sind. |
| Herr
Consolo: |
interessiert Wir
haben nämlich vergessen nach ihren Namen zu fragen. |
| Dorian: |
nachdenklich Ist
denn ds so wichtig? Pause
Vielleicht ja doch. Möglicherweise sogar der erste
wichtige Schritt zur Unwichtigkeit. Also gut, mein Name
ist Dorian, Dorian Ferrarius. |
| Her
Consolo: |
erwachsen
Sie sehen schon viel besser aus. Man sieht es ihnen an. |
| Frau
Consolo: |
Daß sie
auf dem Weg der Besserung sind. |
| Dorian: |
gebrechlich
Ist das nun ein Rückschlag? Er steht von
der Bank auf Sie könnten so viel Gutes tun
für mich, warum wollen sie es nur nicht? Meine Besserung
ist doch nicht mehr als negatives Wachstum - oder? Aber
ich will werden. Ich will wachsen. |
| Herr
Consolo: |
beruhigend
Nehmen sie das, was wir sagen nicht so ernst. Adieu. |
| Frau
Consolo: |
Ja, es
bleibt so, wie ich es gesagt habe. Adieu. |
| |
|
| |
5.Ansage |
| |
Dorian
verliert kein Wort des Abschieds. Er setzt sich wieder.
Das Gespräch mit den Consolos hat ihm nicht mehr
gebracht als Zeit. Bald ist Feierabend, zumindesten für
Bäcker. Dorian versucht sicht auf das Gespräch
vorzubereiten. Der Bäcker hat etwas Passendes gefunden.
Wenig später verläßt er den Park. Dorian läuft durch
die kaum mehr besuchten Einkaufsstraßen der Innenstadt.
Einge Laternen leuchten bereits. Andere wollen nicht.
Dorian will, aber er darf es nicht zwingen. In seiner
gedanklichen Konzentration wird er immer wieder von
Erinnerungen an die Gespräche mit den Consolos gestört.
Er steht vor der Bäckerei. Hinter der verschlossenen
Türe steht der Bäcker. Er lacht, neben sich steht ein
junger Mann, den andere als Jugendlichen bezeichnen
würden. Dieser lächelt nur freundlich, eher gezwungen,
fast ängstlich. Der Bäcker schließt auf und tritt auf
die Straße hervor. In seiner frohen Art begrüßt er
Dorian. |
| Bäcker: |
noch immer
lachend So, mein Bester, ich habe mein
Versprechen gehalten. Ich habe ihnen etwas Passendes
herausgesucht. er lacht noch heftiger Das
ist Johann, min unwichtigster Lehrling. Gerade erst im
ersten Lerjahr. Unwichtiger geht es wohl kaum, was?! |
| Dorian |
ernst
Laß ihn reden, Johann. deine Unwichtigkeit kann für
mich das Wichtigste sein. |
| Bäcker: |
zu Johann,
ohne mit dem Lachen aufzuhören Bestimmt
wichtiger als für mich. Morgen hast du frei. Erhol dich.
Du hast Irrenurlaub. Er macht sich auf den
Weg nach Hause, sein Gelächter ist noch lang zu hören. |
| Dorian: |
beruhigend
Ich danke dir schon einmal. Laß uns gehen. |
| |
Dorian nimmt
den Jungen zur seite. Er geht mit ihm dorthin, wo seine
Reise begann, sie setzen sich in die kleine
Bahnhofshalle. Auf der letzten Bank, deren Farbe schon
lange abgeblättert ist, nehmen Dorian und Johann Platz.
Dorians Augen sind weit geöffnet, die des Jungen dagegen
schwer und müde. |
| Dorian: |
neugierig,
jedenfalls sehr interessiert Sieht man mir
irgendeine Besserung an? Sei ehrlich! |
| Bäckerlehrling: |
schüchtern
Ich weiß nicht, mein herr. |
| Dorian: |
bestimmt Du
weißt nicht, was ich hören möchte. Du sollst ehrlich
sein, ich bitte dich. ich bitte dich, ich darf nicht
zwingen. |
|
| Bäckerlehrling: |
jetzt sicherer
Nein, ich weiß wirklich nicht. Ich kann niemanden auf
der ganzen Welt ansehen, ob es ihm gut oder schlecht
geht. Und ich weiß auch nicht, ob ich das können will. |
| Dorian: |
erfreut
Hervorragend! Es scheint dir einfach nicht wichtig zu
sein. Wahrscheinlich bist du noch nicht zu groß, um ein
kleiner Herr Friedemann zu sein. Aber ich hoffe, daß dir
das auch unwichtig ist. |
| Bäckerlehrling: |
plötzlich
energisch Was wollen Sie überhaupt von mir?
Es ist nicht gerade der höchste Titel der Welt. Ich
meine, der Unwichtigste zu sein. |
| Dorian: |
gebremst, fast
traurig Du kennst es also auch nicht, das
Geheimnis der Unwichtigkeit. Aber ich werde dir trotzdem
sagen, was ich von dir will. nachdenklich Ich
war zu unwichtig. Ich liebte meine Vergangenheit, mich
und mein Werk. Es wurde mißverstanden. Ich habe mich
mißverstanden. Ich kann mich nicht anpassen, weil ich
nicht weiß woran. Seine Euphorie entfacht
allmählich wieder Dann habe ich doch etwas
gefunden. Es lag auf der Hand, es wurde mir auch ein
wenig auf die Hand gelegt. Doch ich habe auch mir selbst
viel zu verdanken. Wobei ich nicht genau weiß, ob ich
mir dafür auch dankbar bin. |
| Bäckerlehrling: |
fast mitleidig
Hören Sie, ich will keine Philosophie für
Anfänger und Unwichtige. Ich verstehe sie nicht und sie
verstehen mich nicht. Und auch wenn ich sie nicht
verstehe, sie sind doch sicherlich auf ihre Weise klug.
Was suchen sie nach der Unwichtigkeit anderer Menschen.
Suchen sie lieber ihre Wichtigkeit. Ich möchte nun nach
Hause. |
| |
|
| |
6.Ansage |
| |
Dorian ist
enttäuscht. Er verstand ihn nicht und vice versa.
Während Johann sich nach Hause begibt, bleibt Dorian
sitzen. Er verweilt auf der abgeblätterten Bank.
Später, auf einem Weg ohne Ziel, versucht Dorian einen
klaren Gedanken zu fassen. Es ist schon wieder hell, die
ersten Vögel zwitschern bereits, als er
zusammenschreckt. Seine Leere findet kurzweilig ein Ende. |
| |
Dorian |
| Dorian: |
wieder
euphorisch Ich habe es doch selbst schon
gedacht. Ich habe es sogar schon selbst geschrieben. Man
muß es nur wörtlich betrachten. Es kann also doch ein
Meisterstück gewesen sein. Herr aller meiner Welten. Das
reicht noch nicht aus. Dierekt die nächste Zeile - Jeder
ist selbst seins Todes Schmied. Der Schmied kann die
Wichtigkeit töten. Er muß es. Ich werde ihn nicht dazu
zwingen müssen. Es ist sein Beruf, die Wichtigkeit zu
töten. lauter Selbstverwirklichung!
Gebietsmeisterkünstler! |
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weiter zu
Marc Moelders ' Der Schmied Teil2' |
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