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"Schriftsteller waren Lügner" von Alfred Büngen

Zu Stefan T. Pinternagels 'AcidHead, Visionen im Dunkeln'

Die Kunst des Schriftstellers beschreibt Pinternagels zentrale Geschichtenperson recht einfach: Geschichten erdenken. "...und wenn ihre Geschichten so gut gelogen waren, daß man sie für bare Münze hielt, dann beherrschten sie ihr Gewerbe." Also, auf den ersten Blick erwartet uns keine Literatur in den beiden 'Visionen', 'AcidHead' und High Dim', den beiden Geschichten des Buches aus der Welt der Drogen, vielmehr brutale Wirklichkeit, in der meisterhaften, unverwechselbaren sprachlichen Brechung des Autoren. Die sprachliche Empfindlichkeit macht sogar ein, den Geschichten anhängendes Glossar mit wichtigen Begrifflichkeiten der Drogensprache für den Leser notwendig.

Inhaltlich hält sich der Autor nicht lange auf mit der Frage, ob Drogengenuß einen Sinn ergibt. Ob Shit, Gras, LSD, Ecstasy, "jede Generation versucht auf ihre Weise, einen Weg in ihr ureigenstes Ich zu finden." Intensiv geht Pinternagel jenen Fiktionen der Drogen nach, die das Leben zu einem 'Faschingszug von Narren' werden lassen. Dabei bleibt es immer klar, daß es ein Zug ins Nichts ist. Doch es kommt eben darauf an, die Lebenslüge so gut zu lügen, daß man sie glaubt. Drogenleben als menschliche Phantasie, als gelebte Literatur. Zumindest zeigt sich der Rückzug in eine radikale anarchistische Individualität, in der selbst Mitleid nicht mehr teilbar wird. Die Suche nach dem Sinn individuellen, eigenen Lebens, "umlagert von Träumen und wahnsinnigen Phantasien" wird für den Suchenden, auch dem Literaten, zum Lebensinhalt. Drogen, Wörter, sind nicht anderes als betäubendes, vernichtendes, ermöglichendes Mittel dieses Weges. Und die Antworten auf die Suche? Keine, nur die Suche selbst als Antwort, die Gewißheit, daß es eine Antwort gibt. "Muß zurück nach High Dim, dem Ort, der versteckt in einem Bewußtsein liegt und darauf wartet, entdeckt zu werden."

Ein faszinierendes Buch von ungeheuerlicher Sprachkraft und - damit auf allerengste Weise verbunden - vor allem ein Buch, daß die 'Seele' des Süchtigen illustriert. "Wer zum Junkie wird, hat andere Probleme als Drogen." Doch Pinternagel hütet sich, den faszinierenden und zugleich destruktiven Rausch der Droge und der Sprache als Antwort gelten zu lassen. 'AcidHead' ist eine, wie es der Untertitel des Buches ausdrückt, 'Vision im Dunkeln'. Es ist ein Überlebensschrei gegen die Wirklichkeit.

 

Das Buch: Stefan T. Pinternagel: AcidHead. Visionen im Dunkeln. Klaus Bielefeld Verlag 1999. ISBN 3 - 932325 - 28 - 1

 

 

 

 

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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 30.Mai 1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten