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Literatur und Politik vor dem 1.Weltkrieg

Erich Mühsam und die Boheme

Schriften der Erich - Mühsam - Gesellschaft. Heft 15

Hrsg. von der Erich Mühsam-Gesellschaft, Lübeck 1999

 

Erich Mühsam - Anarchist, Bänkelsänger, Publizist, aktives Mitglied der Münchener Räterepublik, von den Nazis im KZ ermordet - historisch politisch oder literarisch nicht einzuordnender Einzelgänger oder Teilelement gesellschaftlicher Entwicklungen? In den fünf Beiträgen des neuen Heftes der Mühsam - Gesellschaft mit weit über die enge Mühsamforschung hinausgehender Bedeutung wird für den Zeitraum bis zum 1.Weltkrieg herausgearbeitet, daß Mühsam stets nur ein Teil der Entwicklung bürgerlicher Intellektueller gegen herrschende gesellschaftliche, politische und literarische Herrschaftsstrukturen gewesen ist, ohne allerdings dabei seine besondere Individualität zu verlieren.

Martin M. Langner stellt in seinem Beitrag die besondere Eigenart des 'literarischen Kabaretts' dar, wie es von Peter Hille in enger Freundschaft mit Erich Mühsam in den Umbruchsjahren der Jahrhundertwende gefordert und in ersten Ansätzen praktiziert wurde. Es sollte eine neue Form aktiver und offener Literatur für Autor und Hörer darstellen. In einem, sicherlich noch zu vertiefenden Ansatz, muß das Scheitern dieses Kabarett - Ansatzes festgehalten werden. Verschärfte Zensurbestimmungen, die Kommerzialisierung des Kabarettbereichs aber auch künstlerische Problemstellungen selbst lassen keine Verwirklichungschancen zu. Gleichwohl greift Mühsam auf seine Erfahrungen mit Hille bei seinen späteren politischen Kabarettversuchen zurück.

Chris Hirtes Aufsatz über 'Heinrich Mann und Erich Mühsam' verwundert den sachkundigen Betrachter auf den ersten Blick, bestand doch zwischen den beiden Autoren außer gelegentlichen Treffen in Münchener Bohéme-Kneipen in den Jahren vor und während des 1.Weltkrieges kein direkter Kontakt. Hirte gelingt es jedoch, den beide Dichter in ihren Grundpositionen vereinenden Idealismus, hier linke Weltbürgerlichkeit dort anarchistischer Radikalismus, herauszuarbeiten. Trotz der Gemeinsamkeit überwinden beide die Trennungslinien ihrer politischen und lebensgeschichtlichen Zugehörigkeit auch angesichts der faschistischen Bedrohung nicht. Ein weiterer Beleg dafür, wie durch Betonung sekundärer Differenzen innerhalb des Lagers der bürgerlichen Intellektuellen, der Gewalt des rechten Terrors kein Widerstand entgegengebracht werden konnte.

Eingebettet in eine kurze Darstellung der Entwicklung der Bohéme vor dem ersten Weltkrieg gibt Wolfgang Haug eine Kurzanalyse von Mühsams Zeitung 'Kain', verdeutlicht dabei die Unterschiede zwischen dem 'Kain' der Vorkriegsjahre und dem der Rätezeit.

Kurt Kreiler verdeutlicht in einem eher sammelnden Beitrag die Vielfältigkeit und zugleich auch gesellschaftliche Sorglosigkeit der Münchener Bohéme, die fassungs- und positionslos in den ersten Weltkrieg taumelt.

Ein wenig außerhalb der übrigen Beiträge, gleichwohl 'Muß' für alle, die noch immer versuchen, das Geheimnis um den Schriftsteller Ret Marut/B.Traven aufzuklären, stellt Wolfgang Kröskes Beitrag dar, der zum einen die Herkunft Ret Maruts/Travens aus der Nähe Lübecks zu erhärten sucht, zum anderen den Beweis erbringt, daß Erich Mühsam um die Identität Travens wußte und schwieg.

Schon jetzt kann sich der Leser auf Heft 16 mit hoffentlich ähnlich interessanten Beiträgen freuen.

 

 

 

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Diese Lyrik wurde im April 1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung erfolgte am 26.April 1999. Das copyright liegt bei der Autorin/dem Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer email oder auf dem normalen Postweg richten: zauberhaft1@gmx.net oder Kehrricht/A.Büngen, Bachstraße 4, 26197 Großenkneten