Stefan T. Pinternagel
Gesammelte
Erfahrungen
Nachfolgend ein paar gesammelte
Richtlinien zum "Benimm" innerhalb der Literaturszene,
die ich im Laufe der Jahre sammeln konnte. Die hier aufgeführten
Erfahrungen entstanden durch Gesprächen mit anderen Autoren und
mit einigen Verlegern, sind aber auch die Quintessenz
unterschiedlicher Artikel in Literaturzeitschriften. Natürlich
erheben sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
-
- Der Umfang des Manuskripts
oder der Texte sollte sich in Grenzen halten. Meist
genügt es, vorab eine Probe einzuschicken. Ein Kapitel
des Romans, Essays, etc., bei dem noch nicht allzuviel
Vorwissen vonnöten ist. 30 Seiten sollten (für mein
Dafürhalten) genügen, um dem Lektor einen Einblick in
die Arbeit und in dem Stil zu geben. Das gesamte Werk
(womöglich mehr als hundert Seiten) schreckt den Lektor
sicherlich ab und er fängt erst gar nicht mit dem Lesen
an.
-
- Die Form des Manuskripts ist
auch ein Punkt, der beachtet werden will. Links und
rechts sollte genügend Rand gelassen werden, damit der
Lektor dort Platz für seine Anmerkungen findet.
Anderthalbzeiliger Abstand reicht aus. Mein persönlicher
Tip: Courier New (weil alle Buchstaben dann die gleiche
Größe haben), Schriftgröße 14 und links den Einzug
auf 1 stellen = 30 Zeilen á 50 Anschläge. Über dieses
Platzangebot sollte sich kein Lektor beklagen können.
-
- Verlagssuche. Die meisten
Autoren schicken ihre Werke an die großen, etablierten
Verlage. Diese aber gehen kaum noch ein Risiko ein,
kaufen lieber Bestseller aus dem Ausland (vorwiegend
USA), von denen sie wissen, daß sie keinen Flop
verlegen. Der ´unentdeckte´ Schriftsteller sollte seine
Erwartungen nicht zu hoch schrauben (es sei denn, er hat
einen Roman in der Manier von "Das Parfum"
geschrieben), und sich an die kleinen Verlage wenden.
Wichtig hierbei: Erst Infomaterial anfordern, um
auszukundschaften, ob das Stück überhaupt in das
Verlagsprogramm paßt. Beim Einsenden der eigenen
Ergüsse unbedingt
Rückporto beilegen! Die kleinen Verlage haben einen
harten Konkurrenzkampf zu bestehen und müssen i.d.R. mit
jeden Pfennig haushalten. Autoren und Kleinverlage
sollten miteinander und nicht gegeneinander arbeiten, um
neben den großmächtigen Konzernen eine Chance zu haben.
-
- Dieses Miteinander darf aber
auch nicht zu Lasten des Autoren gehen. Gerade
´Neueinsteiger´ (auch ich habe mein Lehrgeld bezahlt)
fallen gerne auf Verlage mit
"Druckkostenzuschuß" herein. Die Diskussion um
das Pro und Kontra solcher Risikovereinbarungen ist immer
noch kräftig am brodeln. In fast allen
Literaturzeitschriften lassen sich Beiträge oder
Leserbriefe zu diesem Thema finden. Grundsätzlich sein
gesagt: Einem Druckkostenzuschuß in vernünftigen Umfang
steht nichts entgegen. Selbst große Autoren haben so
ihre ersten Werke veröffentlicht. Warnen möchte ich
aber vor Verlagen und Zeitschriften, die als
Gegenleistung für die bezahlte Summe einen Abnahme
größeren Umfangs anbieten. Die Zeitschrift RIND &
SCHLEGEL z.B. kann nur deshalb mit einer so großen
Auflage (16.000) prahlen, weil jedem Schriftsteller, der
sich darin abgedruckt findet, um die 30 Exemplare
"aufs Auge gedrückt" werden. Dafür bezahlt
man dann aber auch 280 Märker. Das Schlimmste aber daran
ist, daß man diese Veröffentlichung nicht in seiner
Biographie angeben kann - die ´Szene´ lacht nur über
eine solche Naivität.
-
- Man sollte sein Licht nicht
unter den Scheffel stellen. Was jedoch nicht heißen
soll, daß man mit seinem Schaffen prahlen sollte.
Schüchternheit ist aber auf alle Fälle am falschen
Platz, und wenn man schon in einigen Zeitschriften oder
Anthologien veröffentlicht wurde, darf man die auch
gerne aufführen.
-
- In vielen Zeitschriften (z.B.
IMPRESSUM, HUNDSPOST) gibt es Rubriken, die Termine für
Stipendien/Preise und Aufrufe zur Mitarbeit
veröffentlichen. Auch in den größeren Städten gibt es
genügend Möglichkeiten, Erfahrungen im Literaturbereich
zu sammeln. So z.B. eine gemeinsame Lesung mit
Gleichgesinnten dürfte die Angst vor Kritik und
Öffentlichkeitsarbeit nehmen mehreren. (Im günstigsten
Falle findet eine solches Projekt unter der Obhut eines
routinierteren Schriftstellers statt.) In den
Literaturzeitschriften sind die Aufrufe zur Mitarbeit
meist gut beschrieben und so weiß ein jeder Autor
gleich, was gewünscht wird. Kinderbücher, Krimis, SF,
Themenvorgaben wie "Heute, morgen, gestern",
"Liebe", etc. beschränken die Einsendung auf
ein vernünftiges Maß. Im Internet findet sich eine
solche Rubrik unter (der auch ansonsten sehr
aufschlußreichen) http://www.swbv.uni-konstanz.de/olli/
-
- Eine kleine Broschüre, in der
man eine Auswahl seiner Werke vorstellt, kann meist sehr
günstig, schnell und einfach mit jedem größeren
Schreibprogramm (WORD, LOTUS, etc.) erstellt werden.
Kleiner Tip: Als Umschlag etwas dickeres, farbiges
Kopierpapier verwenden. Das vermittelt gleich einen
optisch besseren Eindruck als einfaches weißes und
dünnes Papier. Diese Heftchen kann man an Freunde und
Bekannte verschenken, vielleicht in einer Buchhandlung
oder bei öffentlichen Lesungen auslegen und zur
Rezension an Zeitschriften kleinerer Auflage (sog.
Fanzines) schicken.
-
- Ein Autorenverband ist weniger
für den Hobbyautoren oder unbekannten Schriftsteller
geeignet, dafür gibt es aber einige
Interessengemeinschaften wie z.B. die STORY FACTORY,
MitLit oder Newsgroups (de.alt.geschichten), wo man seine
Texte zum Zwecke kritischer Betrachtung einsenden kann.
Wichtige ist, sich nicht nur verbessern zu lassen,
sondern auch hie und da selbst einmal kritische
Kommentare abzugeben. Wie es so schön heißt: Eine Hand
wäscht die andere... (und nicht immer werden beide
schmutzig dabei!)
-
- Zum Schluß möchte ich noch
an die Solidarität apellieren. Der Mythos vom
"Schriftsteller im Elfenbeinturm" mag seinen
Reiz haben, dennoch geht es nicht ohne die Hilfe der
anderen. Gegenseitiger Informationsaustausch, wo, wann,
wie was abgeht, ist nötig und es bringt keinem etwas
(außer dem trügerischen Gedanken, eine größere
Veröffentlichungschance zu haben), wenn man mit seinen
Informationen hinterm Berg bleibt. Früher oder später
bekommt man die Rechnung präsentiert und erhält selbst
keine Hinweise mehr, weil auch die anderen bemerken, daß
hier ein Ego am Werke ist. Deshalb: Information ist
alles! Und auch offene Kritik ist besser als das
schmeichlerische, aber unbegründete "Eine gute
Geschichte". Mir jedenfalls ist eine solide Kritik
lieber als jede Lobhudelei.
Jan.´99
Diese Lyrik wurde im April
1999 in die Kehrrichtseiten gestellt. Die letzte Überarbeitung
erfolgte am 18.Juli. Das copyright liegt bei der Autorin/dem
Autoren. Fragen und Anregungen in Bezug auf Seitengestaltung und
Inhalt können sie auch auch den Herausgeber der Seiten üer
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